Als nach dem Zweiten Weltkrieg die abstrakte Kunst erblühte, war der Bruch mit der Tradition im Norden viel größer als im Süden. Die Münchner Bildhauer experimentierten zwar auch, behielten dabei aber die Figur im Visier.
Selbst die Wandlung des menschlichen Körpers zur "großen Stele" bei Herbert Peters oder zur "Flucht" bei Fritz Koenig knüpft an eine Entwicklung an, die mit Adolf von Hildebrand lange vor dem Ersten Weltkrieg begann. Ob Künstlergattin "Gabriele Wimmer" oder der Industrielle "Walther Rathenau", in Marmor gemeißelt von Hermann Hahn - das Menschenbild ist schier unerschöpflich. Museumsdirektorin Ursel Berger hat die Porträtbüste des 1922 ermordeten Politikers im Fundus des Berliner Stadtmuseums entdeckt und für die Ausstellung "Gestalt - Form - Figur" ans Tageslicht befördert. Hahn gehört wie Hans Wimmer (1907-1992) zur Münchner Bildhauerschule.
Ihr ist eine sehenswerte Schau im Georg-Kolbe-Museum gewidmet. Es gab Kontakte der Münchner auch nach Berlin. Doch die Verbindungen der Bayern sind nicht Thema der Ausstellung, vielmehr die spezifischen Besonderheiten ihrer Bildhauerei. Der Besucher gewinnt einen Überblick über 100 Jahre Form-Veränderung bis hin zum bunt bemalten "Antiobjekt" von Hans Matthäus Bachmayer, einer abstrakt verschwurbelten Holz-Komposition.
Im ersten Raum, früher Wohnatelier von Kolbe, finden sich gegenständliche Klein-Plastiken abwechslungsreich auf Sockeln platziert. Darunter auch zwei Skulpturen von Hildebrand. Der Vater der Münchner Bildhauer-Moderne hat mit seiner Schrift über das "Problem der Form" die kommende Generation beeinflusst. Im lichten Gartensaal dann die jüngeren Altmeister, gruppiert um Wimmers elegante "Große Liegende" von 1988/89.
Markant hervor tritt Heinrich Kirchners "Wanderer", ein lustiger Anblick mit seinen unterschiedlichen Ohren. Im Neubau rundet ein fulminantes Nachkriegskonzert den Schmusekurs mit der Abstraktion.
Kolbe-Museum , Sensburger Allee 25. Bis 13. April. Di-So 10-17 Uhr.




