Helle Lichtflecken hüpfen, fühlbar wärmend, über den Kiesweg. Auf winzigen Schaukeln sitzen fröhlich Kakadus. Kinder und Frauen in hellen Leinenkleidern flanieren daran vorbei. Die stimmungsvolle „Papageienallee“ ist eines der bekanntesten und wohl auch beliebtesten Gemälde des Berliner Malers Max Liebermann.

Das Motiv zeigt die flirrende Vogelstraße des Amsterdamer Zoos, direkt am Eingangsbereich gelegen, damals eine Hauptattraktion, die die Besucher in das Exotische des Tierparks einführen sollte. Ein kleines irdisches Paradies und ein Musterbeispiel impressionistischer Malerei, gleichzeitig ein Wandel in Liebermanns malerischem Gestus. Seine Palette ist jetzt heller, strahlender, die Farben leuchtender als noch um 1890. Das Bild entstand 1902 nach verschiedenen Studien vor Ort und einer ersten Gemäldefassung.

Die Kunsthalle Bremen wird ausgebaut

Dass die „Papageienallee“ derzeit in der Liebermann-Villa am Wannsee zu betrachten ist – sie gehört eigentlich in den Fundus der Kunsthalle Bremen – , hat einen triftigen Grund: Das Kunsthaus an der Weser wird modernisiert und erweitert, muss bis voraussichtlich 2011 schließen, deshalb mussten die Kunstwerke runter von den Wänden. Weil es aber zu schade ist, sie in verschiedenen Depots in den Dornröschenschlaf zu schicken, überlegte sich Museumschef Wulf Herzogenrath, rund 200 Werke temporär auf Reisen zu schicken – als Botschafter seines Hauses.

„Noble Gäste“, so heißt nun der originelle Titel für eine Kooperation mit insgesamt 20 Museen in ganz Deutschland, darunter die Pinakothek der Moderne in München, das Museum der Künste in Leipzig und eben die im Vergleich kleine, aber charmante und himmlisch gelegene Villa Liebermann am Wannsee, die nicht zu den Staatlichen Museen Berlin zählt.

Späte Rückkehr an den Ort ihrer Entstehung

Vierzig Gemälde, Pastelle, Zeichnungen und Druckgrafiken sind in die Hauptstadt gekommen. Darunter befinden sich auch „Die Kuhhirtin“, ein „Selbstporträt an der Staffelei“ aus dem Jahr 1916 und das „Proveniershuis in Haarlem“, alles Hauptwerke, die eher selten außerhalb des Bremer Museums gezeigt werden. Für viele dieser Liebermann-Werke ist es eine späte Rückkehr an den Ort ihrer Entstehung.

Max Liebermann und die Kunsthalle Bremen – diese Liaison hat eine lange Geschichte. Gustav Pauli, der erste Chef der Kunsthalle, war ein leidenschaftlicher Förderer des Berliner Künstlers. Er hatte ein Faible für den Impressionismus und legte den Grundstein für die Liebermann-Sammlung in der Hansestadt. Pauli (1866-1938) zählte damals zu jenen modernen Museumsmännern in Deutschland, die die Vorreiterrolle des französischen Impressionismus und dessen Einfluss auf die zeitgenössische deutsche Malerei erkannten. Diese Einschätzung stand im krassen Gegensatz zur konservativen Auffassung Kaiser Wilhelm II. und zur strengen Lehre an den Akademien. Um etwa 1900 kontaktierte Pauli Liebermann, lieh sich später von ihm in regelmäßigen Abständen Gemälde für seine Ausstellungen in Bremen aus.

Vorfreude auf den nächsten Sommer

So wechselte so mancher Brief hin und her auf der Achse Berlin – Bremen. Aus der gemeinsamen künstlerischen Auffassung erwuchs bald eine Freundschaft. 1906 – ins Amt des Direktors gewählt – konzipierte Pauli die innovativ angelegte „Internationale Kunstausstellung“, bei der Liebermann prominent mit gleich zehn Werken vertreten war. Schließlich ging es ihm, wie Liebermann einmal formulierte, um nichts weniger als die „Eroberung Bremens für die moderne Malerei“. Zu dieser Zeit besaß Bremen noch kein einziges Gemälde des Berliner Künstlers. Doch da hatte Pauli bereits eine clevere Strategie im Kopf, wie er den geschätzten Porträtisten in die Hansestadt locken und mit aufgeschlossenen, finanzfreudigen Privatsammlern und Mäzenen zusammenbringen konnte.

Heute, etwas hundert Jahre später, zählt die Bremer Liebermann-Sammlung zu den besten ihrer Art in Deutschland. Wer die einzelnen Werke eingehend studiert, erkennt die Breite seines Werkes: das eher dunkle holländische Frühwerk mit den spröden, naturalistischen Szenerien des bäuerlichen Lebens genauso wie die ab der Jahrhundertwende geschaffenen „Sommerbilder“ von Gärten und Stränden und Badenden. Der nächste Sommer am Wannsee kommt bestimmt.

Am Sonntag um 11 Uhr wird die Ausstellung von Rolf Budde, dem Vorsitzenden der Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin sowie den beiden Museumsleitern Wulf Herzogenrath (Bremen) und Martin Faasss (Berlin) eröffnet.

Liebermann-Villa am Wannsee, Colomierstr. 3, Wannsee. Tel.: (030) 80585900. Bis 4. Mai, Mi–Mo 11–17 Uhr.