Staatsoper-Intendant

Salzburg lässt Flimm nicht früher gehen

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Stefan Kirschner

Foto: ddp / DDP

Jürgen Flimm hat noch bis Sommer 2011 einen Vertrag als Intendant der Salzburger Festspiele. Doch schon im Sommer 2010 soll er in Berlin die Staatsoper Unter den Linden übernehmen. Das setzt den guten Willen seines bisherigen Arbeitgebers voraus. Doch der vertagte eine Entscheidung.

Möglicherweise hat die Kulturverwaltung zu früh gefeiert: Kurz vor Weihnachten präsentierten der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), und Kulturstaatssekretär André Schmitz im Roten Rathaus auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz den neuen Intendanten für die Staatsoper: Jürgen Flimm. Zur Präsentation wurde sogar Generalmusikdirektor Daniel Barenboim aus New York eingeflogen. Am 1. September 2010, so kündigte Wowereit am 22. Dezember an, solle Flimm seinen neuen Job in Berlin antreten.

Das sorgte für Verstimmung in Salzburg, denn dort hat Flimm als Intendant der Festspiele noch einen Vertrag bis Sommer 2011. Flimm bat die Festspiele um eine vorzeitige Entlassung aus seinem Vertrag. Am Dienstag nun traf sich das Stiftungs-Kuratorium – und vertagte eine Entscheidung.

Flimm erklärte daraufhin, dass er sich erst nach einer Freigabe durch die Salzburger Festspiele vertraglich an Berlin binden werde. „Ich kann ja meinen Vertrag mit Salzburg nicht brechen“, sagte der 67-Jährige nach einer Sitzung. Gegenüber Morgenpost Online zeigte sich Flimm aber optimistisch: „Ich bin guten Mutes, dass sich die Situation mit Berlin bald klären wird.“

Salzburg sucht nach einem Nachfolger

Offenbar setzt Flimm großes Vertrauen in die Salzburger Findungskommission. Die soll bis Ende April einen Nachfolger suchen, der Flimm möglichst bald ablöst, wie die Kuratoriumsvorsitzende Wilhelmine Goldmann am Dienstag sagte. Bei einer zweiten Personalie zeigte sich das Aufsichtsgremium entscheidungsfreudiger: Der Theaterchef der Salzburger Festspiele, Thomas Oberender (42), bleibt nun doch bis zum Ablauf seines Vertrags im Jahr 2011 in Salzburg. Das Kuratorium nahm die Anfang Dezember ausgesprochene Kündigung Oberenders zurück.

Auslöser dafür war ein heftiger Streit zwischen Flimm und Oberender, der in Mobbing-Vorwürfen gipfelte. Die beiden haben inzwischen – zumindest offiziell – ihren Disput beigelegt. Flimm entschuldigte sich für seine „flapsigen Bemerkungen“ in der Vergangenheit.

Vor zwei Jahren war Oberender auch für die Intendanz des Deutschen Theaters (DT) im Gespräch. Ex-Kultursenator Thomas Flierl (Linkspartei) wollte ihn noch am Ende der Legislaturperiode verpflichten, aber Wowereit durchkreuzte diese Pläne damals und präsentierte kurze Zeit später mit Ulrich Khuon vom Hamburger Thalia Theater seinen Wunschkandidaten. Khuons DT-Intendanz beginnt mit der neuen Spielzeit.

Mit der Personalie Flimm will sich am morgigen Mittwoch die Berliner Opernstiftung unter Vorsitz des Regierenden Bürgermeisters, der auch Kultursenator ist, beschäftigen. Seitens der Senatskulturverwaltung hieß es, dass man optimistisch sei, dass Flimm die Staatsopern-Intendanz wie vereinbart zum 1. September 2010 übernehme. Dann könnte er vier Wochen später, am 3. Oktober, gleich das Schiller-Theater als Opernhaus feierlich eröffnen. Dort zieht die Staatsoper ein, während ihr marodes Stammhaus Unter den Linden generalsaniert wird.