Staatsoper-Intendant

Salzburg verweigert Jürgen Flimm die Freigabe

Jürgen Flimm soll bereits im Sommer 2010 als Intendant die Staatsoper Unter den Linden übernehmen. Doch er hat noch bis Sommer 2011 einen Vertrag als Chef der Salzburger Festspiele. Damit ist er auf den guten Willen seines bisherigen Arbeitgebers angewiesen. Aber der vertagte seine Entscheidung - wieder einmal.

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Jürgen Flimm sorgt weiter für Gesprächsstoff. In Berlin, wo er regelmäßig vorbeischaut, aber besonders in Salzburg, wo Flimm die Festspiele leitet. Der designierte Intendant der Staatsoper Unter den Linden hatte gehofft, dass das Kuratorium der Festspiele bei seiner Sitzung am Dienstag dieser Woche grünes Licht für den für Herbst 2010 geplanten Wechsel nach Berlin gibt. Das Kuratorium aber vertagte eine entsprechende Entscheidung, was Flimm gegenüber Morgenpost Online bestätigte.

Damit läuft sein Intendanten-Vertrag bei den Salzburger Festspielen weiterhin bis Sommer 2011. Sollte es dabei bleiben, würde das seine eigenen und die Planungen der Berliner Kulturpolitik mächtig durcheinander wirbeln. Zwar hat Flimm seinen Berliner Kontrakt noch nicht unterzeichnet – die Unterschrift will er erst nach erfolgter Freigabe in Salzburg leisten – aber zumindest in der Senatskulturverwaltung geht man fest davon aus, dass Flimm seinen Job als Intendant der Staatsoper im Herbst 2010 auch antritt. Schließlich soll die Ausweichspielstätte im Schiller-Theater am 3. Oktober feierlich eröffnet werden – sicher auch mit ein paar Worten des neuen Chefs.

In der Senatskulturverwaltung beschäftigt man sich noch nicht mit dem Ernstfall. Im Interview mit Morgenpost Online hatte Kulturstaatsekretär André Schmitz in der vergangenen Woche betont: „Der Vertrag ist zu Ende verhandelt und es bedarf nur noch der Unterschrift. Und die hängt davon ab, wann die Salzburger Festspiele ihn freigeben. Ich bin sehr optimistisch, dass Jürgen Flimm pünktlich zum September 2010 sein Amt als Intendant der Staatsoper antreten wird.“

Es soll eine Gegenstimme gegeben haben

Das sieht Flimm genauso: „Ich gehe davon aus, dass ich im Herbst 2010 in Berlin anfange“, betonte der Intendant am Mittwoch. Er räumte allerdings ein, dass es „im Kuratorium Probleme gibt“. Nach Informationen von Morgenpost Online hatte Flimm einen veränderten Vertrag vorgelegt, der nach seinen Angaben im Kuratorium überwiegend auf Zustimmung stieß. Allerdings soll es eine Gegenstimme gegeben haben. Das reicht aus, denn laut Flimm muss der Aufsichtsrat der Salzburger Festspiele einstimmig entscheiden.

Über den Inhalt des modifizierten Vertrages wollte Flimm nichts sagen. Nach Informationen der „Salzburger Nachrichten“ hatte er vorgeschlagen, bis September 2010 Vollzeitintendant in Salzburg zu bleiben. Für die anschließende Zeit bis Mitte 2011 wäre er demnach zwar künstlerisch und finanziell verantwortlich, doch seine Anwesenheitspflicht in Salzburg würde – bei gleichzeitiger Gehaltsminderung – drastisch reduziert. Der Weg für den Wechsel nach Berlin wäre damit geebnet. Voraussetzung dafür ist aber die Zustimmung des Kuratoriums.

Dass das Gremium Flimm diesen Gefallen nicht tat, obwohl in der Sitzung Alexander Pereira, der designierte Nachfolger Flimms, bereits erste Pläne und Konzepte vorstellte, könnte man mit verletzter Eitelkeit erklären. Flimm hatte im Dezember vergangenen Jahres ohne Rücksprache mit seinem Salzburger Arbeitgeber in Berlin verkündet, dass er ab Herbst 2010 den vakanten Posten des Intendanten der Staatsoper Unter den Linden übernehmen wird. Und auch Flimms anschließende Bemerkung, dass die Festspielsaison weitgehend durchgeplant sei und er deshalb sowieso nur „rumsitzen“ werde, hatte nicht gerade für Begeisterung in Salzburg gesorgt.