Neuer Staatsoper-Chef

Spielplan wird Flimms größte Baustelle in Berlin

Nach einigen Querelen in Salzburg wird Jürgen Flimm, designierter Intendant der Staatsoper Unter den Linden, sein Amt in Berlin wie geplant 2010 antreten. Bereits im Oktober kommt er in die Hauptstadt. Was er dann bis zur Übernahme des Postens machen wird, sagt er im Gespräch mit Morgenpost Online.

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Morgenpost Online: Erst zog sich Ihre Freigabe in Salzburg auf merkwürdige Weise hin - und plötzlich, einen Tag vor Eröffnung der Festspiele, können Sie als Intendant den Auflösungsvertrag unterschreiben?

Jürgen Flimm: Die Kuh ist vom Eis. Das Kuratorium hat, wie das heißt, einen Umlaufbeschluss gemacht. Ich kann mein Amt in Berlin zum 1. September 2010 antreten und bin auch berechtigt, Vorbereitungsarbeiten für die nächsten Saisonen, wie man hier in Salzburg sagt, zu tätigen.

Morgenpost Online: Wann werden Sie den Vertrag unterschreiben?

Flimm: Sagen wir mal so, er wird in den nächsten Tagen unterschrieben. Dann schicke ich ihn nach Berlin, die schicken ihn mir zurück - wir machen da keine große Zeremonie. Ich habe im Moment überhaupt keine Zeit, sondern schwer zu arbeiten.

Morgenpost Online: Wie oft waren Sie eigentlich in letzter Zeit in Berlin?

Flimm: Sehr oft. Um meine Arbeit in Salzburg nicht zu beeinflussen, war ich immer an den Wochenenden da. Privat reisend, ich habe alles selber bezahlt. In Berlin führte ich viele Gespräche mit den Mitarbeitern. Und ich habe perspektivische Gespräche geführt darüber, was wir im Schiller-Theater machen wollen.

Morgenpost Online: Nach den Festspielen werden Sie also sofort nach Berlin kommen?

Flimm: Nein, dann ist erst einmal Urlaub angesagt. Im September muss ich mich einfach erholen, weil das hier in Salzburg sehr, sehr anstrengend ist. Das geht hier sechs Wochen durch: Tag und Nacht. Aber es kommen mich regelmäßig Opernleute besuchen. Aber im Oktober bin ich ganz schnell in Berlin.

Morgenpost Online: Was werden Ihre ersten - wie man betonen muss - offiziellen Schritte sein?

Flimm: Ja, es gilt mein Beratungsvertrag. Dann bin ich Designatus. Ich werde über Spielpläne und mit Künstlern, Dirigenten, Regisseuren reden. Und zugleich muss ich in die ganze Problematik des Umzuges ins Schiller-Theater eindringen.

Morgenpost Online: Was ist im neuen Berliner Amt Ihre größte Baustelle?

Flimm: Eindeutig der Spielplan. Gefolgt buchstäblich von den Baustellen des Schiller-Theaters und der Staatsoper Unter den Linden. Wobei für die Sanierung die Stiftung zuständig ist, aber ich werde ein sorgsames Auge darauf werfen.

Morgenpost Online: Wann haben Sie zuletzt mit Ihrem künftigen Generalmusikdirektor Daniel Barenboim gesprochen?

Flimm: Ungefähr vor 17 Minuten. Wir telefonieren regelmäßig miteinander, jeden Tag. Es ergibt sich immer so, weil wir uns gegenseitig andauernd über neue Ideen austauschen wollen.

Morgenpost Online: Ihr Nachfolger in Salzburg, Alexander Pereira, ist bereits kräftig am Wirbeln und stellt sich sein Team zusammen. Belastet Sie das?

Flimm: Ach, überhaupt nicht. Ich kenne Alexander Pereira sehr gut. 13 Inszenierungen habe ich bei ihm in Zürich gemacht. Insofern gehen wir vertraut miteinander um. Er stellt natürlich jetzt sein Team für 2011 zusammen. Und fängt an, Spielpläne für 2012 bis 2014 zu entwickeln. Das ist seine Aufgabe.

Morgenpost Online: Wann zieht der Mensch Flimm nach Berlin um?

Flimm: Der Mensch Flimm sucht gerade eine Wohnung in Charlottenburg, damit er mit dem Fahrrad zum Schiller-Theater fahren kann. Das ist der Umkreis. Meine Frau ist schon tatkräftig bei der Suche.