Neuer Staatsoper-Chef

Salzburg lässt Jürgen Flimm nach Berlin ziehen

Von September 2010 an wird Jürgen Flimm neuer Intendant der Berliner Staatsoper. Nach monatelangem Streit hat er nun endlich einen Auflösungsvertrag mit den Salzburger Festspielen unterzeichnet. Damit kann er nun den Vertrag mit dem Haus Unter den Linden unterschreiben, der längst ausverhandelt ist.

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Der designierte Intendant der Berliner Staatsoper Unter den Linden, Jürgen Flimm (68), wird sein Amt Anfang September 2010 antreten. Der bisherige Intendant der Salzburger Festspiele habe am Freitag einen Auflösungsvertrag unterzeichnet, teilte die Berliner Senatskanzlei mit.

Kulturstaatssekretär André Schmitz sagte nach Senatsangaben: „Das ist eine gute, aber keine überraschende Nachricht. Der Vertrag mit Jürgen Flimm ist längst ausverhandelt. Nun kann er unterschrieben werden.“ Flimm hatte in Salzburg um die vorzeitige Auflösung seines Vertrags gebeten, der eigentlich bis 2011 gelaufen wäre.

Nachfolger in Salzburg wird der Österreicher Alexander Pereira, der allerdings erst 2011 von Zürich nach Salzburg wechseln soll. In der Zwischenzeit fehlt dem Kulturfestival noch ein Intendant. Daher werde es am Montag eine Dringlichkeitssitzung zum Festspielsommer 2011 geben, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA.

Flimm ist nun berechtigt, von Oktober an nebenher seine Arbeit in Berlin vorzubereiten. Doch müssten die Salzburger Festspiele bis Anfang Oktober 2010 absoluten Vorrang haben, betonte die Festspielfonds-Vorsitzende Gabi Burgstaller.

Offenbar gab es auch Misstöne in Salzburg:„Reisende soll man nicht aufhalten, das ist mein entschärfter Kommentar zu Flimms Abgang aus Salzburg“, sagte der Vertreter der Stadt Salzburg im Festspielkuratorium, Bürgermeister Heinz Schaden der APA. Allerdings würdigte er den scheidenden Intendanten als „wirtschaftlich und auch künstlerisch durchaus erfolgreich“. Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler wollte die vorzeitige Auflösung von Flimms Vertrag nicht kommentieren.

Flimm startete seine Regiekarriere 1968 als Assistent bei Fritz Kortner und Claus Peymann an den Münchner Kammerspielen. Es folgten eigene Inszenierungen an verschiedenen Bühnen von Zürich bis Hamburg. Als Theaterleiter verdiente er sich in Köln von 1979 bis 1985 Meriten. Das Hamburger Thalia Theater machte er als Intendant von 1985 bis 2000 zur bestbesuchten Bühne Deutschlands. Auch mit großen Festivals wie der Ruhr-Triennale hat er Erfahrung. Die Leitung der Salzburger Festspiele übernahm er im Jahr 2007. Weil die Staatsoper renoviert wird, weicht das Ensemble von Herbst 2010 bis 2013 auf das Schiller-Theater aus. Für rund 23 Millionen Euro wird die Bühne derzeit umgebaut, damit die Staatsoper dort für drei Jahre spielen kann. Das Opernhaus Unter den Linden wird in dieser Zeit grundsaniert.