Die prallen Luftballon-Figuren von Jeff Koons sehen herrlich schwerelos aus, aber das täuscht. Sie sind aus Edelstahl – rostfrei und mit ihren bis zu sieben Tonnen Gewicht extreme Schwergewichte. Das Herstellen der Skulpturen bewerkstelligt nicht Koons’ New Yorker Atelier: Er lässt fertigen, und zwar in Deutschland bei der in Friedrichsdorf ansässigen Firma Arnold mit Zweitsitz im thüringischen Steinbach-Hallenberg.
Hier werden Koons’ Ideen gewichtige Realität. Für die Umsetzung schickt er Modelle im Originalmaßstab als riesige Kunststoffteile. Koons ist vor allem ein Mann der Perfektion, daher überlässt er nichts dem Zufall.
Sechs- bis achtmal im Jahr weilt er in Deutschland, begutachtet die Skulpturen vor und nach der Oberflächenlackierung mit Argusaugen. Kein Kratzer würde ihm verborgen bleiben. „Bei der Qualität kennt er keine Gnade“, sagt Uwe Arnold, der den seit 84 Jahren bestehenden Familienbetrieb in dritter Generation führt. Angeblich soll Koons manchmal sogar mit der Lupe anrücken. Denn nicht einmal ein Hubbel darf den Glanz der Oberfläche stören.
300 Schlosser und Lackierer arbeiten in Arnolds Firma, 30 sind für den US-Künstler „abgestellt“. Arnold nennt Koons beim Vornamen, das Verhältnis mit dem Kunststar scheint familiär. „Jeff “ sei ein freundlicher, netter Mann, meint er, der „jedem Mitarbeiter die Hand zur Begrüßung reicht“. Koons’ dicke Herzen, kindliche Hunde oder prächtige Eier bedeuten zeitraubende Sisyphusarbeit für Arnolds Mitarbeiter. Monatelang schleifen, lackieren und polieren sie die rauen, gegossenen Grundkörper, alles erfolgt manuell.
Nehmen wir das „Coloring Book“ – es vereint 13 Farben. Zum Applizieren wurden in millimeterfeiner Arbeit Schablonen aufgelegt. Arbeitszeit: etwa 8800 Stunden. Auch das „Hanging Heart“ entstand bei Arnold. Für die schönen „Geschenkschleifen“ wurden 6500 Wellen gefräst, geschliffen und poliert. Gelohnt hat sich der Aufwand allemal, das Herz beispielsweise glänzt wunderschön.
Erstaunlich auch: Das hohe Gewicht der Skulptur wird ausschließlich durch Schleife und Knoten getragen. Der metallische Effekt, den die Skulpturen Koons’ auszeichnen und der sie glänzen lässt wie Weihnachtsbaumkugeln, wird durch die hochglanzpolierte Edelstahloberfläche erzeugt. Seit zehn Jahren besteht schon das Arbeitsverhältnis zwischen Koons und Arnold.
Zustande kam es durch Hans Baumgart von DaimlerChrysler Kunstbesitz, der den Kontakt zwischen Künstler und Firma herstellte, um die „Balloon Flower“ für den Potsdamer Platz in Berlin realisieren zu lassen. Und die Zusammenarbeit wird wohl noch andauern. Denn in Arbeit sind aktuell bei Arnold noch „Diamond“, „Baroque Egg“ und „Smooth Egg“, die letzte Skulptur der „Celebration“-Serie.
Eine letzte Frage an den Firmenchef: Empfängt er auch potenzielle Käufer, die Arbeiten vorab begutachten wollen? „Nein“, sagt Uwe Arnold. „Jeff mag das nicht, dass man seine Skulpturen im Prozess der Fertigung sieht. Oder würden Sie einen George Clooney unrasiert am Morgen sehen wollen? Da wäre wohl auch der Lack ab!“



