Sind Sie auch schon voller Vorfreude? Kommenden Montag öffnen schließlich die Weihnachtsmärkte. Jedenfalls die meisten, immerhin sind es in Berlin rund 80. Dazu zählen natürlich auch kleine Adventsbasare, die nur ein Wochenende öffnen. Aber allein das inflationäre Angebot wirkt unweihnachtlich. Wer braucht beispielsweise schon einen „Weihnachtsmarkt am Hauptbahnhof“? Den kann man sich ja nur zugig vorstellen, eben typisch Bahn, überfüllt von gestressten Menschen mit Rollkoffern, die lauwarmen Glühwein aus Pappbechern trinken, den unglücklich guckende Mitarbeiter zuvor aus Thermoskannen von ihren kleinen Snackwagen gepresst haben. Dazu gibt es gebrannte Mandeln in kleinen eingeschweißten Tüten. Freuen Sie sich aber nicht zu früh, der Markt wird vermutlich mit ein paar Tagen Verspätung auf machen.
Bekannt für ihre Besinnlichkeit sind ja auch Weihnachtsmärkte an Einkaufszentren. Der „Weihnachtsmarkt Schönhauser Allee Arcarden“ liegt zwischen S- und U-Bahn, Hauptstraße, Kreuzung und Shoppingklotz, den kann man sich auch mit noch so viel Glühwein nicht schön trinken.
Natürlich gibt es aber auch ganz hinreißende Märkte, so wie auf dem Gendarmenmarkt. Der ist wirklich richtig schön. Wenn da nicht die Weihnachtsmarktbesucher wären. So ist es jedes Jahr dasselbe: Man drängelt sich eine halbe Stunde durch, ohne auch nur einen Blick auf einen der Stände werfen zu können, sammelt sich in einer abgelegenen Ecke und wartet eine weitere halbe Stunde auf den furchtlosen Kameraden, der sich bereit erklärt hat, Glühwein für alle zu besorgen, von dem die eine Hälfte auf dessen Jacke landet und die andere kalt ankommt. Alternativ könnte man tagsüber gehen – aber es gibt kaum Trostloseres, als einen Weihnachtsmarkt an einem grau-nieseligem Nachmittag. Dann hält man es lieber mit Max Goldt, meidet zufrieden sämtliche Märkte und erfreut sich am „Zauber des seitlich dran Vorbeigehens“.
Oder man gesteht sich ein, dass der erste Schluck Glühwein eh nie fruchtig und würzig, sondern vollkommen überzuckert und wie schon einmal verdaut schmeckt, und dass das erstandene Kunsthandwerk auf Nimmerwiedersehen im Keller verschwindet. In Wahrheit ist die Besinnlichkeit doch eine Illusion der Vorfreude. Also, freuen Sie sich jetzt auf die Weihnachtszeit. Sie haben noch sechs Tage.



