Ich glaube ja, diese Streik-Kiste ist eine große Verschwörung von außen. Nein, nicht was Sie denken, Kim Jong-un ist unschuldig. Obwohl der kommunistische Diktator sicher gern versucht hätte, das Mauerfall-Jubiläum ein bisschen lahmzulegen. Aber der Gute hat gerade genug damit zu tun, sein Land anständig gegen die ganzen Ebola-Kranken abzuschotten, die alle nach Nordkorea wollen.
Nein, Peking ist an allem Schuld. Die Chinesen konnten es nämlich nicht ertragen, dass irgendeine Stadt an diesem Wochenende schöner strahlt – schließlich hatte man die wichtigsten asiatischen Staatschefs sowie Obama zum Apec-Gipfel geladen. Und damit die Hauptstadt sich im allerbesten Licht – und nicht wie sonst unter einen dicken Smog-Glocke – präsentieren konnte, wurde vor Ort alles lahmgelegt: Schulen, Großbaustellen, Krematorien, Autos, Heizkraftwerke.
Da die schlauen Chinesen aber geahnt haben, dass die deutsche Hauptstadt an diesem Wochenende alle Lorbeeren ernten würde, haben sie einen Hexenmeister beauftragt, GDL-Chef Claus Weselsky, mit einem uralten chinesischem Zauber (irgendwas mit Hühnerknochen und den Haaren eines Lokführers, die bei Vollmond aufgekocht wurden) gefügig zu machen. Ansonsten wäre der niemals auf die vollkommen absurde Idee gekommen, fünf Tage streiken zu wollen. Der Claus ist nämlich eigentlich ein ganz Netter, anders als seine Ex-Frau erzählt.
Doch Peking hoffte auf ein Verkehrschaos und eine damit einhergehende dicke Smog-Wolke über Berlin. Allerdings hatten die Mächtigen die Rechnung ohne ihre Volkspolizei gemacht: Da das Feuer des Weselsky-Zaubers in Peking zu viel Ruß verursachte, wurde es von den chinesischen Polizisten kurzerhand gelöscht. Kaum war der Gewerkschaftsboss also wieder bei Sinnen, hat er den Quatsch sofort abgesagt. Und während in Peking trotz überragend guter Feinstaubwerte dicke Luft herrschte, hat Berlin am vergangenen Wochenende geglänzt und die Welt hat gestrahlt.
Sollte Weselsky in Zukunft aber doch noch mal Opfer eines bösen Zaubers werden, möchte ich einen vom Streik betroffenen Pendler zitieren: „Och, der Streik, das stört mich nicht – dann fahre ich heute eben andersrum.“ Komm also gar nicht auf dumme Ideen, Kim Jong-un. Berlin kann keiner mehr was.



