In Berlin herrschen derzeit zwei Klimazonen. Dass die Menschen hier in zwei Zeitzonen leben – die einen tagsüber, die anderen nachts – ist bekannt. Aber auch das Wetter muss sich zwischen Adlershof und Zehlendorf zum Teil eklatant unterscheiden. Anders kann ich mir sonst nicht erklären, warum man dieser Tage auf so unterschiedlich angezogene Menschen trifft.

Da steht das Mädchen in Shorts, Trägerhemd und Flipflops und ein paar Meter weiter ein junger Mann in langer Hose, geschlossenen Schuhen und Daunenweste. Im Park joggen die einen im Muskel- , die anderen im Thermoshirt. Der erste Fahrradkurier fährt mit nacktem Oberkörper, der andere in Ganzkörper-Montur.

Ich verstehe ja, dass das Wetter ziemlich verwirrend ist, neulich noch waren die Temperaturen kaum zweistellig, und plötzlich fangen selbst die Spanier unter uns an zu schwitzen. Aber auch nur bis zum nächsten Gewitter.

Apropos Unwetter: Während unser früherer Bürostandort in Kreuzberg vor einem Monat von sintflutartigen Regenfällen heimgesucht wurde, schien an der neuen Adresse am Kudamm die Sonne…

Dennoch, wenn das iPhone morgens um neun 20 Grad anzeigt, ist das in der Regel ein heißes Indiz dafür, dass man die Daunenweste zu Hause lassen kann. Trotz Berlins Schattenseiten. Es gibt aber noch ein anderes Naturschauspiel, dass ich momentan gern beobachte.

Es heißt „Fenster auf, Fenster zu“ und wird in fast jedem S-Bahn-Wagen aufgeführt. Weil es dem einen zieht und dem anderen stinkt, werden die Klappen ständig an einer Stelle aufgerissen und an anderer wieder zugeknallt, wobei nicht klar ist, welche Fraktion nun den größeren Knall hat. Sicher ist nur: Eitel Sonnenschein sieht anders aus.