Zwischenmenschlich

Und sonntags mit den Kleinen ins Ikea-Bällchenbad-Wellness

Was wäre Berlin ohne Wochenend-Shopping? Viele Familien brauchen den verkaufsoffenen Sonntag: Kein Spielplatzbesuch – das Kind wird im Småland abgegeben. Jule Bleyer begegnet dem Berliner Stadtleben.

Foto: IKEA

Es gibt ja Menschen, die fahren für eine neue Klobürste, eine Zwergpalme und ein Paket Duftteelichter zu Ikea. Was ja noch okay ist, wenn man bedenkt, dass manche Menschen allein zum Frühstücken zu Ikea fahren (Filterkaffee zum kostenlosen Nachfüllen!). Und dann gibt es auch noch diejenigen, die gleich den gesamten Sonntag bei Ikea verbringen.

Warum Menschen so etwas tun? Weil sie es können. Zumindest in Berlin. Hier vermehren sich die verkaufsoffenen Sonntage wie Fußpilz im Hallenbad. Gefühlt haben die Geschäfte mittlerweile jeden zweiten Sonntag offen, aber es gibt ja auch jedes Mal einen nachvollziehbaren Anlass dafür: Grüne Woche, ITB, Internationale Funkausstellung, Gallery Weekend. Warum sollte man am Gallery Weekend in Galerien gehen, wenn es bei Orsay im Ring-Center doch auch ganz viel zu sehen gibt?

Es ist ja schon eine Zumutung, dass der Senat den Geschäften verbietet, an zwei aufeinanderfolgenden oder an mehr als zwei Sonntagen im Monat zu öffnen. Wissen die da oben denn nicht, dass die Berliner in Wochen ohne Sonntagsshopping montags in zerrissenen Hemden und ohne Schuhe ins Büro müssen?

Am allerwichtigsten sind verkaufsoffene Sonntage aber für junge Eltern. Die müssen dann nicht einen Tag mit den Kleinen auf dem Spielplatz ausharren – sondern können sie im Småland abgeben. Im Ikea an der Landsberger Allee platzte das Plastikkugelbecken vergangenen Sonntag aus allen Nähten, während relaxte Elternpaare ein Stockwerk höher bei der vierten Tasse Kaffee saßen. Möbel kaufen wollte fast keiner, das hatten alle ja schon an den ganzen Sonntagen davor erledigt. Das, liebe Besucher des Gallery Weekend, ist die wahre Kunst.