Wie provinziell Berlin aus Sicht von Touristen sein kann, merkt man, wenn man sich die Gepflogenheiten anderer Weltstädte anguckt. In Las Vegas zum Beispiel gibt es eine Klinik, die sich darauf spezialisiert hat, Besucher nach durchfeierten Nächten von ihrem Kater zu heilen („Hangover Heaven“). Nicht viel anders sieht es aus, wenn man sich selbst in die – in diesem Fall pfälzische – Provinz begibt. Dort wird man als Hauptstädter sehr nett empfangen und nach seinem Befinden gefragt.
Was man jedoch nicht gefragt wird: was in Berlin so los ist. Ja, heißt es, Berlin – da müssen wir auch mal hin. Das sagt man da so. Aber was dort gerade angesagt ist, auf welchem Club-Ranking das Berghain auftaucht, ob Tom Hanks in der Stadt dreht, das Tempelhofer Feld bebaut wird oder in Mitte Schnauzer, Voll- oder Spitzbärte getragen werden – geschenkt.
Das heißt nicht, dass die Menschen fernab nicht über ihren Tellerrand hinausschauen würden. Es ist nur so, dass der Mittelpunkt 500 Kilometer von Berlin entfernt nicht die deutsche Hauptstadt ist, sondern der fünf Kilometer entfernte nächstgrößere Ort. Also macht man sich auf die verzweifelte Suche nach einer stimmungsgeladenen Anekdote aus dem bewegten Großstadtleben. Man kommt doch nicht umsonst aus der aufregendsten Stadt Deutschlands!
Und natürlich fällt einem auch ein passender Schwank aus der Hauptstadt ein: „Also, ich war ja neulich auf einer Vernissage in einem stillgelegten Abwasserkanal, auf der der Künstler in Unterhose rumgelaufen ist und sich die Gäste kostenlos ‚Das Leben ist die wahre Kunst‘ tätowieren lassen konnten.“ Pause, vielsagende Blicke.
„Ja, Berlin. Da müssen wir auch mal hin.“





