An der Stargarder Straße in Prenzlauer Berg hat sich neulich eine Gruppe von – wie die Boulevardzeitung meines Vertrauens es ausdrückte – linken Aktivisten breit gemacht. Nein, noch schlimmer, sie hat freie Parkplätze „besetzt“, mit Kunstrasen, Stühlen, Stehlampe und Kaffeegeschirr.
Ich als Radfahrerin mit VBB-Jahreskarte kann so eine Aktion nur unterstützen. Der Platz in unserer Stadt ist begrenzt, ich kann mir also deutlich schönere Dinge vorstellen, als ihn mit Autos zuzustellen.
Beim weltweiten Park(ing) Day, immer am dritten Freitag im September, werden Alternativen ausprobiert, vom Rollrasen über den Stadtstrand bis zum Freiluftkino.
Die Idee stammt aus San Francisco, hätte aber eigentlich aus Berlin kommen müssen. Schließlich besetzt der Berliner von Natur aus gerne, am liebsten Häuser, aber auch Brücken, Dächer, Spreegrundstücke, Bürgersteige vor Spätis oder eben Parkplätze.
Außerdem glaube ich, dass das Konfliktpotenzial zwischen Autofahrern und Nicht-Autofahren, hier potenziert durch die ohnehin aggressiv machende Parkplatzsuche, in der Hauptstadt zu ihrer vollen Blüte kommen könnte. Der Besetzende nimmt dem vermeintlich stärkeren Verkehrsteilnehmer nicht mehr nur die Vorfahrt, sondern dringt gänzlich in dessen natürlichen, stets knapp bemessenen Lebensraum ein – nach einem durchschnittlich miesen Tag im Büro inklusive Feierabendstau auf der A100 würde eine solche Situation sicher Schimpfwörter produzieren, die ich hier ungern wiedergeben würde.
Autofahrer dürfen auf besetzten Plätzen parken
Damit wir das Thema aber auch nicht im Lokalteil unter Polizeimeldungen wieder aufgreifen müssen, ein kurzer Hinweis zur Rechtslage: Urteile haben gezeigt, dass der Autofahrer auch auf Parkplätzen parken darf, auf denen jemand steht. Der Blockierende darf sogar langsam aus der Lücke gedrängt werden, Notwehrrecht des Einparkenden nennt sich das.
Sollte der Fußgänger allerdings angefahren werden, sind wir ganz schnell im Bereich der Körperverletzung. Zum Glück war das Wetter am diesjährigen Park(ing) Day so fies, dass selbst den linken Besetzern eher danach war, sich auf einen Soja-Latte in das nächstgelegene Café zu verdrücken. Sonst wäre sicher mehr als nur ein bisschen Kaffeegeschirr zu Bruch gegangen.





