Schumachers Woche

Was Kevin Kühnert empfiehlt, hat noch nie funktioniert

Sozialismus plus demokratische Mitsprache: Das fordert Kevin Kühnert. Leider hat das noch nie funktioniert, bemerkt Hajo Schumacher.

Der Vorschlag von Juso-Chef Kevin Kühnert stößt auf Kritik.

Der Vorschlag von Juso-Chef Kevin Kühnert stößt auf Kritik.

Foto: dpa, BM

Berlin. Schon bald regieren uns die Computer, weil sie klüger sind als wir Menschen. Bleibt nur noch die Frage, auf welcher Wertebasis. Vielleicht spendieren uns die Maschinen netterweise eine Variante des ersten Satzes der UN-Charta der Menschenrechte: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren – solange es sie noch gibt.“

Die Software würde dem Menschenrecht allerdings ein Erdenrecht überordnen, das da lautet: „Damit wir auch in Zukunft in Würde leben, hat jede politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Entscheidung die optimale Funktionsfähigkeit unseres Raumschiffs Erde zu gewährleisten. Wir dürfen daher nicht mehr an Vorräten verbrauchen als nachwächst und nicht mehr Müll produzieren als wir loswerden.“

Die Erde als Raumschiff

Die mathematisch-unbestechliche Software würde überdies erklären, dass „gleiche Rechte“ auch die gleiche Verteilung von Ressourcen wie Luft, Wasser oder Bodenschätze bedeuten. Erdöl würde nicht denen gehören, die zufällig darauf wohnen, sondern anteilig allen Menschen. Ein Raumschiff hat eben nur einen gemeinsamen Ölvorrat, einen Regenwald, einen Ozean, ein Klima.

Kevin Kühnert: Sozialismus plus demokratischer Mitsprache

Der regierende Computer würde nach aktueller Datenlage zudem berechnen, wieviel Abgase, Plastik, Waldrodung, Flug- und Kreuzfahrtkilometer unser Raumschiff verträgt und jedem Erdenbürger seinen gerechten Anteil zumessen. Womit wir bei Kevin Kühnert wären, der die interessante Frage stellt, ob der Kapitalismus das geeignete Instrumentarium bietet, Menschen und Maschinen eine lebenswerte Zukunft zu sichern.

Hält unser Raumschiff mit all seinen Endlichkeiten ein Wirtschaftssystem aus, das auf Wachstum, Verbrauch, Verschleiß basiert? Als guter Juso empfiehlt Kühnert eine Art Sozialismus plus demokratischer Mitsprache, was dummerweise noch nie irgendwo funktioniert hat. Ein erster Schritt, sagt Kühnert, wäre das Vergesellschaften von BMW.

Ein interessanter Gedanke: Das schicke Cabrio vom Nachbarn steht die meiste Zeit nur rum. Ich würde es stundenweise nehmen.

Mehr aus "Schumachers Woche":

Die "heute-show" ist humorlos, Ernstes aber wird verlacht

Ohne Smartphone in der Natur, das letzte große Abenteuer

Wir lassen uns das Grummeln nicht verbieten