Schumachers Woche

Wir lassen uns das Grummeln nicht verbieten

Kolumnist Hajo Schumacher schreibt über die Segnungen der Skepsis.

Nicht immer kann man gute Laune haben.

Nicht immer kann man gute Laune haben.

Foto: pa, BM

Na, auch schlechte Laune? Der Kaffee wieder zu heiß oder zu kalt? In der Zeitung nichts als Apokalypse? Und der Lebensgefährte war auch schon mal frischer.

Herrlich, dieser Grummelreflex. Tut doch gut, nach Herzenslust zu pesten. Und Gründe gibt es immer. Hat der liebe Gott das Wetter nicht erfunden, damit sich der Mensch darüber aufregen kann? Gute Laune ist etwas für Charakterschwache, denen es an Sensibilität für Probleme mangelt. Wer jeden Quatsch glaubt und halb leere Gläser für fast voll hält, ist oft nur zu bequem, nach dem Haken zu fahnden, dem Haar, dem Trick, der sich noch in jeder Angelegenheit verbirgt. Optimisten lassen sich jeden Quatsch erzählen, Skeptiker dagegen brauchen Kraft und Ausdauer fürs Mäkeln, findet der australische Psychologe und Wissenschaftler Joseph Forgas, ein Mephisto seiner Branche, der dem Diktat vom positiven Denken die Segnungen gelegentlicher Traurigkeit entgegenhält.

Skepsis zeugt laut Forgas von mentaler Stärke, womit wir bei den Klimaprotesten unserer Kinder wären. Wie einsam sind kritische Menschen freitags, weil sie instagramtaugliche Plakate nicht für Politik halten mögen, weil sie die böse Frage stellen, inwieweit genau der Eisbär denn von den Bonsai-Woodstocks profitiert und woher eigentlich dieser Mythos stamme, Kinder seien die besseren Menschen.

Wie war das früher eigentlich bei uns, fragt der Skeptiker: Waren wir eher Antreiber oder Abbilder unserer Eltern? Für Romantiker mag es hart klingen, wenn sich die jugendlichen Anführer der deutschen Friday-for-Future-Demonstrationen offenbar nicht nur ums Weltklima balgen, sondern auch um Führungsfragen. Wie in jeder neuen Bewegung geht es nach verflogener Anfangseuphorie sehr bald um Ruhm und Karriere, um Neid und Nattereien, und am Ende immer um die Macht.

Gut so, entgegnet der Skeptiker. Erst wenn die unromantischen Fragen geklärt sind und der Wille zu loyaler Kooperation gefestigt ist, kann eine Bewegung wirklich kraftvoll politisch wirken.