Schumachers Woche

Die "heute-show" ist humorlos, Ernstes aber wird verlacht

Jux und Ernst sind kaum mehr auseinanderzuhalten, beobachtet Hajo Schumacher.

Vermeintlich Lustiges regt nicht mehr zum Lachen an, aber Karnevalswitze werden plötzlich bierernst genommen. Hajo Schumacher wundert sich über die ZDF-"heute-show".

Vermeintlich Lustiges regt nicht mehr zum Lachen an, aber Karnevalswitze werden plötzlich bierernst genommen. Hajo Schumacher wundert sich über die ZDF-"heute-show".

Foto: ZDF; Sergej Glanze (Montage)

Berlin. Heute mal die Geschmacksfrage, wer unterhaltsamer ist: Dieter Nuhr über Klimaproteste, Beatrix von Storch über Kondome, Rasiererproduzenten über Machos, Berliner Regierende über Eröffnungstermine, Mario Barth als Enthüllungsreporter oder Boris Palmer über alles? Nicht leicht zu entscheiden, selbst wenn man die Tragik wegdenkt.

Jeder dieser Vorgänge ist dem Internet eine Morddrohung wert, aber keinen Lacher. Karnevalswitze werden superernst genommen, Regierungserklärungen verlacht. Jux und Ernst sind kaum mehr auseinanderzuhalten. Die ZDF-„heute-show“ ist humorloser als eine Pressekonferenz mit Peter Altmaier.

Merkel/Seehofer, Diesel-Betrug, Euro-Pathos – zu oft wurde Ernst missbraucht, um eine Realität zu verschleiern, die der Jux dann wieder mühsam freilegen musste. Kein Wunder, dass die Ukrainer einem Komiker vertrauen, der gegen Korruption wettert und mehr Soziales fordert. Bei Andrea Nahles klappt das nicht mehr. Die Partei von Wladimir Selenskij heißt wie seine TV-Serie: „Diener des Volkes“ – das ist ernsthaft lustig. In der Ukraine regiert nun also ein Komiker, in Italien hat der Kabarettist Beppe Grillo 25 Prozent geholt, Donald Trump lernte im Unterhaltungsfernsehen. Zufall, dass sich Heiko Maas an Angelina Jolie ranwanzt?

Von Loriot gedoubelt wäre Helmut Schmidt länger Kanzler geblieben

Helmut Schmidt jedenfalls wäre sehr viel länger Kanzler geblieben, hätte ihn Vicco von Bülow rechtzeitig gedoubelt. Glaubwürdigkeit hat offenbar weniger mit den Inhalten als eher mit dem Personal zu tun, ein Phänomen, mit dem auch der Journalismus ringt.

Welcher Spaßvogel kann nun Deutschland führen? Dieter Hallervorden mit der Palim-Partei? Fips Asmussen mit klarem Kurs gegen die political correctness? Oder die sensible Komikerin Enissa Amani mit einer einzigartigen Mischung aus Quoten und Zoten?

Vielleicht am Anfang eher wen Niedrigschwelliges, den ordentlich angezogenen Bundesklassensprecher Jan Böhmermann. Bildungsarroganz und Abscheu vor niederen sozialen Gefilden hat ja durchaus Tradition hierzulande. Und der erste Staatsbesuch? Ankara natürlich.