Wer am Montagmorgen auf dem Berliner Ring fährt, der großen Autobahnschleife um die Hauptstadt, kann unversehens in eine Polizeikontrolle geraten: rausgewunken auf einen Rastplatz, Drogenschnelltest, ein paar Koordinationsübungen und eine Menge Überraschungen. Etwa alle zehn Minuten fiel den Beamten neulich ein Autopilot in die Arme, der die eigene Nase kaum fand. Reichlich Alkohol war bei sechs Fahrern im Spiel, in 23 Fällen Drogen, bei einem Konsumenten so viel Kokain, dass er kaum gehen konnte, aber zuvor zügig durch den Berufsverkehr gebrettert war.

Kommen wir nach Sachsen: Dort liegt der Konsum von Crystal Meth im Bundesvergleich auf Rekordniveau. Die Droge kommt aus tschechischen Kleinlabors über die Grenze und wirkt gleich mehrfach: Müdigkeit und Hunger werden unterdrückt, Aggressivität und Redebedürfnis steigen, Schamschwelle und Schmerzempfinden sinken. Schon die Wehrmacht schaffte Methamphetamin unter dem Namen „Pervitin“ tonnenweise an die Front. Als „Panzerschokolade“ oder „Hermann-Göring-Pille“ sollte die Droge den Russlandfeldzug beschleunigen. Heinrich Böll bat die Familie seinerzeit per Feldpost mehrfach um Nachschub.

Die Serie „Breaking Bad“ hat den Stoff weltberühmt gemacht, der Konsum in Deutschland soll sich seit 2011 verzehnfacht haben. Ein Vollrausch mit Crystal Meth kostet nicht mehr als eine Dose Bier an der Tanke, wirkt bis zu 48 Stunden, also ein Auswärtsspiel lang, und wird in Hooligan-Kreisen nicht nur gern genommen, sondern offenbar auch schwunghaft gedealt. Bereits 2012 befasste sich der Erfurter Landtag mit einer kleinen Anfrage zum „Drogenhandel in der Thüringer Neonazi-Szene“. Höchste Zeit, dass nicht nur bei Autofahrern, sondern auch bei Demonstrierenden, gleich welcher Couleur, mal ein paar Stichproben genommen werden, schon zum Schutze derer, die das Grundrecht auf Protest gern unversehrt und halbwegs höflich wahrnehmen wollen. Für Demokratie wie Autobahnen gilt: Wer andere gefährdet, gehört aus dem Verkehr gezogen.

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