Nun also L. A. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) kann den Stress der vergangenen Woche hinter sich lassen. Er fliegt zusammen mit einer Wirtschaftsdelegation aus Berlin nach Los Angeles. Dort werden 50 Jahre Städtepartnerschaft gefeiert. Eine Möglichkeit für Müller, die 17,9 Prozent der Berliner SPD bei der Bundestagswahl und die Niederlage beim Tegel-Volksentscheid für einen Moment abzuschütteln. Die schönen Seiten des Regierens stehen an.
Die Planung der Dienstreise war etwas holprig. Die Insolvenz von Air Berlin traf auch den Senatschef und seine Delegation. Geplant war nämlich ein Flug nach Los Angeles mit Air Berlin. Die Pleite traf zusammen mit der heißen Phase der Reisevorbereitungen in der Senatskanzlei. Ein Risiko wollte man dann nicht eingehen. Es wurde umgebucht – auf Lufthansa.
Einer der Höhepunkte wird die Amerika-Premiere der neuen TV-Serie „Babylon Berlin“ sein. Gedreht im Auftrag der ARD und Sky, vertrieben in den USA von Netflix. Sie versetzt den Zuschauer ins Berlin der Weimarer Republik. Der Galaempfang mit vielen Schauspielern und insgesamt 700 Gästen findet im United Artist Theatre, einer zwischenzeitlich von Mormonen genutzten ehemaligen Kirche, statt. Beten, dass dieser Abend ein Erfolg wird, muss Müller wohl nicht. Die Serie gilt jetzt schon als finanziell erfolgreich und wird weltweit Werbung für Berlin machen. Müller selbst konnte die ersten Folgen, die dort gezeigt werden, übrigens im Vorfeld nicht sehen. Der enge Terminkalender ließ ein Preview nicht zu, wie er vor einigen Tagen erzählte.
Wowereits privater Abstecher zu seinem Freund Thomas Gottschalk
In L. A. trifft Müller mehrmals mit seinem Amtskollegen Eric Garcetti zusammen. Es ist ein Wiedersehen. Garcetti war mit einer Wirtschaftsdelegation vor rund zweieinhalb Monaten in Berlin. Unter anderem war er Ehrengast beim Hoffest des Regierenden Bürgermeisters. Als „tief und eng“ beschreibt Senatskanzleichef Björn Böhning die Städtepartnerschaft zu Los Angeles. Das ist auf politischer Ebene nicht immer so. Häufig sind sich die Stadtoberen selbst genug. Mit L. A. ist das anders. Schon Müllers Vorgänger Klaus Wowereit pflegte diese Freundschaft und auch seine eigenen. Unvergessen sind im politischen Berlin Wowereits private Abstecher auf einer L. A.-Dienstreise zu seinem Freund Thomas Gottschalk. Für Müller ist es übrigens schon der zweite Besuch in der Partnerstadt im Westen der USA. Deswegen wird er auch nicht an allen Programmpunkten der Besuchsdelegation teilnehmen. Die Villa Aurora zum Beispiel, die deutsche Künstlerresidenz in Los Angeles, hat Müller schon gesehen.
Zeit nehmen will er sich für eine Firma, die besondere Daten zusammenstellt. Als Bürgermeister Garcetti in Berlin war, zeigte er Michael Müller eine App. Alle Daten seiner Stadt kann der Bürgermeister der Millionenmetropole am Pazific direkt auf seinem Handy abrufen. Dabei handelt es sich nicht nur um statistische Angaben, sondern auch um für die Bürger relevante Themen wie die Termine der Müllabfuhr. Denn der Müll wird dort anders als in Berlin nicht zu festen Tagen und Zeiten abgefahren. In der deutschen Hauptstadt gibt es auch – sagen wir mal Ansätze – der Digitalisierung und der Erleichterungen für Bürger. So wie die Terminvereinbarung für die Bürgerämter, falls denn Termine frei sind. Oder das Melden von Müll in den Straßen beim Ordnungsamt, das sich dann kümmert, falls es denn zuständig ist. Bei der Digitalisierung ist in Berlin noch deutlich Luft nach oben.
Die Treffen mit Garcetti sind für Müller auch insofern interessant, weil der 46 Jahre alte Demokrat als möglicher Präsidentschaftsbewerber seiner Partei, den Demokraten, gilt. Wiedersehen in einigen Jahren in neuen Funktionen also nicht ausgeschlossen.
Müller, der gerade die schlechten Wahl- und Abstimmungsergebnisse verkraften muss, wird neidvoll auf Eric Garcettis Wiederwahl blicken – auch wenn die Wahlsysteme unterschiedlich sind: Für Garcetti stimmten im März 2017 mehr als 80 Prozent der Bürger von Los Angeles.
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