Kappeln, Fritzlar, Gießen. Angela Merkel kämpft in diesen Tagen um jede Stimme. Eigentlich würde sich da gut ein Auftritt in Lichterfelde Ost einreihen. Noch eine Woche, dann wird der neue Bundestag gewählt.
Lichterfelde Ost – das ist Stammgebiet der Berliner Union. Bürgerlich. Aufgeräumt. Ordentlich. Irgendwo zwischen städtisch und dörflich. Mehrmals schon ist die CDU-Bundesvorsitzende zum Kranoldplatz nach Lichterfelde gekommen, um die Berliner CDU in Wahlkämpfen zu unterstützen. Dieses Jahr wird es nicht so sein.
Die Bundeskanzlerin sei auch viel in Niedersachsen unterwegs, dort stehe ja die Landtagswahl an, erklärt der örtliche CDU-Kandidat für ein Direktmandat. Das ist der ehemalige Justizsenator Thomas Heilmann. Ihm werden gute Kontakte ins Kanzleramt nachgesagt. Heilmann hätte sich auch gefreut: über einen Wahlkampfabschluss auf dem Kranoldplatz. Zusammen mit der Kanzlerin. Das hätte bundesweite TV-Bilder gegeben. Heilmann hatte auch angefragt. Aber Merkel sagte ab. Die Prioritäten liegen in diesem Jahr in Niedersachsen, nicht in Berlin, wo es ohnehin kaum Großveranstaltungen gibt. Die Auftritte von Spitzenpolitikern aus dem Bundestag sind rar. Die Kanzlerin konzentriert sich offenbar auf die – sagen wir mal deutsche Tiefebene, jenseits der hochpolitischen Hauptstadt. Traditionell ist die Union in den Flächenländern stark und da besonders in den Dörfern.
Berlin ist für die Bundes-CDU so eine Sache. Zwar ist man bei Bundestagswahlen häufig stärkste Partei. Das unterstrich diese Woche auch eine Umfrage der Berliner Morgenpost und der RBB-„Abendschau“, der Berlin-Trend. Danach liegt die Union bei 26 Prozent. Im Westteil der Stadt kann sie etliche Wahlkreise direkt gewinnen.

Allerdings sind die 26 Prozent für die Bundes-CDU keine rosigen Zahlen. Erstens liegt die Berliner Partei damit deutlich unter dem Bundesschnitt von 37 Prozent. Zweitens ist man aktuell in der Hauptstadt auch noch schlechter als vor vier Jahren. Damals holten die Berliner Christdemokraten 28,5 Prozent.
Für den Direktkandidaten in Steglitz-Zehlendorf, Thomas Heilmann, stehen die Chancen nicht schlecht, seinen Wahlkreis direkt zu gewinnen. Wie gesagt, Berlins Südwesten ist eigentlich politisch schwarz. Heilmann ist seit Wochen unterwegs. Er tourt in einem Doppeldeckerbus durch den Bezirk. An diesem Freitagnachmittag steht er vor dem S-Bahnhof Lankwitz. Der Kandidat ist umringt von Helfern. Hinter ihm steht der unübersehbare Bus, beklebt mit Werbung für den Kandidaten. Alle zehn Minuten hält eine S-Bahn. Dutzende von Menschen eilen über den Platz, schauen verwundert den Bus an. Einige bleiben stehen, kommen ins Gespräch mit dem CDU-Politiker. Es gibt Traubenzucker für die Kinder. Für die Erwachsenen Kugelschreiber aus Holz und Honig aus Steglitz-Zehlendorf. Heilmann und viele andere Direktkandidaten in Berlin setzen vor allem auf die persönliche Begegnung. Großveranstaltungen auf Rathausplätzen – das ist vorbei. Man versucht sich eher im Häuserwahlkampf und trifft in Nachbarschaftsheimen und in Kleingärten potenzielle Wähler.
In Nordrhein-Westfalen war diese Art eines Von-Tür-zu-Tür-Wahlkampfs das Rezept zum Erfolg. Die CDU konnte die Landtagswahl überraschend gewinnen. Neben dieser persönlichen Ansprache setzt Heilmann auf Facebook. Er postet Werbevideos. Ganz gezielt und zugeschnitten auf die Wähler in Wannsee oder Zehlendorf. Eigene Filme hat er dafür erstellen lassen. Wahlkampf in Zeiten des Internets. Sein Ziel: Er will mehr Erst- als Zweitstimmen erreichen.
Die Bundeskanzlerin spielt übrigens dann doch noch eine wesentliche Rolle – auch im Schlussspurt in Steglitz-Zehlendorf. Sie ist auf einem großen Foto zu sehen, mit dem der Doppeldeckerbus beklebt ist. Heilmann und Merkel lächeln sich an. Entstanden ist das Foto bei einer Wahlkampfrede zur Abgeordnetenhauswahl im vergangenen Jahr. Auf dem Kranoldplatz.
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