Die Woche im Rathaus

Sommerempfänge der Parteien: Currywurst und Hochzeitstorte

Der Bundestagswahlkampf läuft auch in Berlin an. Da wird im wahrsten Sinne des Wortes einiges aufgetischt.

Das Rote Rathaus in Berlin

Das Rote Rathaus in Berlin

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Was hätten Sie denn gern? Ein kaltes Gemüsesüppchen mit Schmand, dann Bruschetta süß-scharf und Forellenmousse auf Gurke. Oder Gemüserisotto und Kokosmilchpannacotta. Oder doch lieber Currywurst mit Brötchen? Einige Berliner Parteien hatten diese Woche zu Sommerempfängen eingeladen – und es wurde auch politisch einiges aufgetischt. Es ist ja schon Wahlkampf.

Für Klaus-Dieter Gröhler geht es um alles. Der Christdemokrat muss seinen Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf direkt gewinnen, um erneut in den Bundestag einzuziehen. Er ist nicht über die Landesliste abgesichert. Machbar ist das schon. Denn es gibt Rückenwind durch die große, bundesweite Zustimmung zur Kanzlerin. Aber man weiß ja nie. Und der Konkurrent von der SPD, der ehemalige Musikmanager und Kulturstaatssekretär Tim Renner, ist umtriebig. Also nutzte Gröhler diese Woche, um Werbung in eigener Sache zu machen.

Zusammen mit der BVV-Fraktion der CDU in Charlottenburg-Wilmersdorf und CDU-Generalsekretär Stefan Evers hatte Gröhler den Jahresempfang organisiert. Ein Jahresempfang der CDU in der City West – das muss man wissen – ist immer auch Netzwerkarbeit. Da werden nämlich nicht nur Christdemokraten eingeladen, sondern auch Vorsitzende der örtlichen Tennisklubs, verdiente Ehrenämtler oder der ehemalige Gefängnispfarrer. Es ist Wahlkampf, und jede Stimme zählt. So waren also am Montag mehr als 100 Gäste in ein Küchenstudio an den Kudamm gekommen – sicherlich auch, um den Ehrengast zu hören.

Die Grünen präsentieren sich vegan

Gröhler hatte nämlich auch dafür gesorgt, dass eine prominente Christdemokratin an diesem Abend ein Grußwort hielt. Julia Klöckner, stellvertretende Parteivorsitzende und nah dran an der Kanzlerin, würdigte gleich zu Beginn ihrer Rede die Location: „Bei Partys ist es ja immer so: das Kuscheligste passiert in der Küche.“ Also auf zum Kuscheln mit dem Wahlvolk. Klöckner sprach über die Rente, die innere Sicherheit, die Wirtschaft. „Zum Flughafen verkneife ich mir etwas zu sagen“, hob die rheinland-pfälzische Politikerin auf den BER ab. Anschließend gab es Forellenmousse oder Currywurst – ganz nach Geschmack.

Mehr vegan ging es einen Tag später bei den Grünen zu. Die Abgeordnetenhaus-Fraktion hatte ins Lokal „Super“ am Breitscheidplatz geladen. Und auch hier spielte der Flughafen eine Rolle. Nur der andere: Tegel. Antje Kapek, eine der beiden Grünen-Fraktionsvorsitzenden, sagte: „Da krempeln wir die Ärmel hoch, der Kampfgeist ist geweckt. Wir wollen, dass er schließt.“ Der am Wahltag anstehende Volksentscheid zu Tegel gilt für Rot-Rot-Grün in Berlin als schwierig. Er könnte krachend verloren gehen, denn laut Umfragen ist eine Mehrheit der Berliner für die Offenhaltung.

„Das 1. Paar, das in Berlin heiratet, bekommt eine Hochzeitstorte“

Kapek versuchte es an diesem Abend mit einem Vergleich. Als sie klein war, sei der zentrale Bahnhof in Berlin der Bahnhof Zoo gewesen. Dann kam der Hauptbahnhof und ein große Unbehagen im Vorfeld. Doch nun sei der Hauptbahnhof – trotz seines zu kurzen Daches – der zentrale Bahnhof von Berlin. Genauso werde es dem BER ergehen, prophezeite die Politikerin. Bei den Grünen wurde Gemüserisotto und Kokosmilchpannacotta gereicht. Anmoderiert mit den Worten: vegan und regional. Wobei das mit der regionalen Kokosnuss so eine Sache ist.

Aber sei es drum, gesund war das Essen. Dass der Stress der Politik manchmal auch zu Ungesundem führt, gestand an diesem Abend Kapek noch ein. Beim Empfang vor einem Jahr sei noch nicht klar gewesen, ob die Grünen es in die Berliner Regierung schafften. Dann kamen Wahlkampf, Wahl und vor allem Koalitionsverhandlungen. Zehn Kilo habe sie dabei zugenommen, erzählte Kapek.

Und dann kam am Ende der Woche auch noch die „Ehe für alle“, was die Fraktionsspitze der Grünen dazu verführte, ein süßes Versprechen zu machen. Kapek und Gebel twitterten: „Das 1. Paar, das in Berlin heiratet, bekommt eine Hochzeitstorte.“ Na dann, Mahlzeit.

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