Woche im Roten Rathaus

Staus und Sperrungen: Berlin ächzt unter vielen Baustellen

Mit dem Sommer kommen die Baustellen und die Kritik am Senat. In diesem Jahr ist es besonders schlimm, beobachtet Gilbert Schomaker.

Stau in Berlin

Stau in Berlin

Foto: Glanze

In dieser Woche hat es im politischen Berlin Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) voll erwischt. Denn mit dem Sommer kommen die Baustellen. Und mit den Baustellen kommt die Kritik an der Senatorin, wieso es, wie jedes Jahr, an allen Ecken Staus gibt.

Nun ist das ja so eine Sache in Berlin: Die Verkehrssenatorin trägt zwar den Titel. Für den Verkehr insgesamt – auf allen Straßen und Radwegen – ist sie irgendwie auch politisch verantwortlich. Aber es mischen halt viele mit. Denn in Berlin gibt es ja die zweigliedrige Verwaltung, eben Senat und Bezirke.

Und die Bezirke entscheiden in ihrer Hoheit selbst, wann und wo auf Bezirksgrund gegraben wird. Und dann gibt es auch noch die einzelnen Betriebe. Die Wasserbetriebe, die Verkehrsbetriebe und die Gasag. Die müssen natürlich auch an ihren Leitungen und Schienen arbeiten.

Gesetzmäßigkeiten, gegen die selbst eine Senatorin machtlos erscheint

Aber in diesem Frühsommer ballt sich der Unmut besonders. In Kreuzberg wird die U1 saniert. Gleichzeitig bleiben die Ersatzbusse im Stau stecken, weil es diverse Baustellen gibt. In Kladow sind beide Zufahrtsstraßen zu Engpässen geworden, weil unbedingt gleichzeitig gebaut werden muss. Und andere Straßen, wie die lange versprochene Entlastungsstraße TVO im Ostteil der Stadt wird erst gar nicht begonnen. Nicht heute, nicht morgen, wahrscheinlich erst 2020.

Dabei gibt es in Berlin Gesetzmäßigkeiten, gegen die selbst eine Senatorin machtlos erscheint.

Denn grundsätzlich gilt: Baustellen entstehen aus dem Nichts. Konnte man als Auto- oder Radfahrer eben noch über die großen Hauptstraße zur Arbeit kommen, ist sie nun gesperrt. Keine Ankündigung. Kein näher beschriebener Grund. Gefühlt entstehen Berliner Baustellen über Nacht. Plötzlich sind sie da: mehrere Barken, ein Warnschild, weiße oder gelbe Striche auf dem Boden. Und schwups wird aus einer zwei- eine einspurige Straße. Manchmal tauchen einige Tage später Erklärschilder auf: Hier entsteht eine neue Wärmeleitung, zum Beispiel. Dann weiß der Bürger wenigstens, wieso er sich über Monate auf Stillstand einstellen muss. Häufig aber wird einfach nur abgesperrt und irgendwann geht es dann los mit den Arbeiten.

Apropos irgendwann: Man wird als am Verkehr teilnehmender Betrachter das Gefühl nicht los, dass nach der nächtlichen Aktion nichts mehr passiert. Aber auch gar nichts. Tage-, wochenlang bleibt eine Baustelle so unfertig wie sie ist. Aber ist ja halb so schlimm, ist ja nur abgesperrt, eine Straße verengt, ein Radweg gesperrt.

Wieso fährt überhaupt jemand Fahrrad? Es gibt doch Autos und Busse!

Apropos Radweg. Grundsätzlich gilt: An Radfahrer denkt bei der Baustellenplanung niemand. Sollen die doch sehen, wo sie bleiben. Wieso fährt überhaupt jemand Fahrrad? Es gibt doch Autos und Busse. Also werden Straßen umgeleitet, der Radweg aber endet plötzlich. Der Radfahrer wird einfach auf die Straße gelenkt. Es sollte zur Pflicht werden, dass jeder Leiter einer Baustelle einmal mit dem Fahrrad eben diese passieren muss. Das würde vielleicht helfen.

Apropos Baustellenleiter: Wo ist der eigentlich? Wenn denn mal etwas geschieht auf den Straßenbaustellen, gilt folgende Regel: Einer baggert, zwei bis drei Arbeiter schauen zu. Arbeitsteilung in Berlin.

Baustellen, zumal wenn sie von der öffentlichen Hand in Auftrag gegeben wurden, könnten eigentlich auch überwacht werden. Es könnte ja mal jemand vorbeischauen und fragen: Wo ist der Baustellenleiter? Wieso geht es nicht voran? Wie kann man da Abhilfe schaffen? Und was um alles in der Welt habt ihr mit der Verkehrsführung für Radfahrer gemacht?

Aber in Berlin ist dafür natürlich kein Personal da. Dafür gibt es aber eine Verkehrslenkung. Ja tatsächlich, eine Behörde. Der Name ist aber purer Euphemismus: Mit Lenkung des Verkehrs in Berlin hat die Tätigkeit offenbar nur am Rande zu tun.

Für die Verkehrslenkung, zumindest die Abteilung mit dem Namen, ist übrigens wirklich die Verkehrssenatorin verantwortlich.