Der Sommer ist eine wundervolle Zeit. Mit dem ersten Ferientag leert sich Berlin, man kommt schneller durch die Stadt, mit dem Auto, aber auch in den Straßen-, U- und S-Bahnen ist deutlich mehr Platz. In diesem Jahr ist das Wetter ja besonders gut, da macht es noch mehr Spaß, hier geblieben zu sein und abends draußen zu sitzen.

Langweilig wird es auch nicht, denn ein Sommerloch gibt es nicht mehr. Schon lange nicht mehr. Das liegt zum einen daran, dass die Krisen in dieser Welt so schlimm sind, dass an so vielen Orten Krieg geführt und Terror verbreitet wird, dass in Syrien, im Irak der „Islamische Staat“ wütet oder dass an Urlaubsorten Bomben explodieren. Von Griechenland, von dem Flüchtlingsstrom ganz zu schweigen.

Müller kommt bei den Berlinern gut an

Zum anderen sind aber auch die Politiker in Deutschland professioneller geworden. Sie wissen die Zeit ohne Parlamentssitzungen und Pressekonferenzen für sich zu nutzen. Besonders gut ist dies in diesem Jahr dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) gelungen. Sein Team hat nach seiner Wahl zum Regierenden Bürgermeister im Dezember 2014 einen Plan entwickelt, wie man ihn bekannter macht – und auch abgrenzt von seinem Vorgänger Klaus Wowereit.

Müller, der Regierende Bürgermeister, der eine Ausbildung zum Handwerker (Drucker) hat, der sich auch ohne Abitur hochgearbeitet hat, der Familienmensch (verheiratet, zwei Kinder), der Kümmerer – sogar um die maroden Schultoiletten kümmert er sich und sagt das auch noch öffentlich. Das kommt bei den Berlinern gut an.

Der Regierende ging in der Sommerpause auf Tour

Auch die ersten kleinen und großen Krisen – siehe den Rücktritt von Hartmut Mehdorn als Flughafenchef, den Streit um die Zukunft der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, den Koalitionskrach um die Homo-Ehe – hat Müller überstanden. Mit der Sommerpause verschwanden erst einmal die meisten Politiker in den Urlaub, nicht jedoch der Regierende Bürgermeister.

Er blieb die ersten vier Wochen in der Stadt und ging auf Tour – besuchte Start-up-Unternehmen, ging in eine Eisfabrik, war Gast beim Konzert in der Waldbühne, machte die Flüchtlingspolitik zur Chefsache. Viele gute Nachrichten, viele hübsche Bilder in vielen Zeitungen, sogar bundesweit wurde das Foto „Müller beim Eisschlecken“ gedruckt. So macht man sich bekannt.

So macht man sich bekannt

Ende letzter Woche ging Müller dann auf Reisen – und seine Stellvertreterin, Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD), übernahm in ihrer Funktion als Bürgermeisterin nahtlos. Am vergangenen Freitag besuchte Kolat das Fernbusunternehmen MeinFernbus am Alexanderplatz, Anfang dieser Woche lud sie dann zu einer neuen Beratungsstelle für Familien, die Angst haben, dass ihre Kinder zu Salafisten werden, in eine Moschee ein– mit dabei Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig, die ihrer Parteikollegin zu zusätzlicher Aufmerksamkeit verhalf.

Einen Tag später war Kolat erneut präsent, denn nun stellte sie vor Ort eine Online-Jobbörse für Flüchtlinge vor. So macht man sich bekannt, so zeigt die SPD, dass sie sich in der Stadt engagiert.

Doch die SPD regiert ja nicht alleine in Berlin. Was machen eigentlich die CDU-Senatoren? Da fällt nur Sozialsenator Mario Czaja auf, der für die Flüchtlinge zuständig ist – und in der vergangenen Woche endlich erreicht hat, dass der Senat die Unterbringung der Flüchtlinge und deren Integration als gemeinsame Aufgabe begreift und nicht bei ihm ablädt. Auch aus seinem Urlaub heraus war Czaja aktiv und kümmerte sich um die vielen Probleme.

Was macht Henkel?

Was aber macht eigentlich Innensenator Frank Henkel (CDU)? Er, der ja CDU-Landeschef ist und nächstes Jahr Spitzenkandidat seiner Partei bei der Abgeordnetenhauswahl werden will, wart nach dem Mitgliederentscheid zur Homo-Ehe nicht mehr gesehen. Justizsenator Thomas Heilmann? Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer? Wahrscheinlich sind sie im Urlaub. Er sei ihnen gegönnt. Für ihre Partei, ein Jahr vor der Wahl, war es eine verlorene Zeit.