MeinFernbus Flixbus

Fernbusse suchen neue Haltestellen im Osten Berlins

Das Berliner Unternehmen MeinFernbus FlixBus wächst und braucht dringend neue Haltestellen in Berlin. Der Blick geht dabei nach Osten.

MeinFernbus Flixbus ist mit mehr als 70 Prozent Marktanteil der beherrschende Player in Deutschland

MeinFernbus Flixbus ist mit mehr als 70 Prozent Marktanteil der beherrschende Player in Deutschland

Foto: Andreas Gebert / dpa

Dilek Kolat ist in Urlaubsstimmung. Nächste Woche, verkündet Berlins Senatorin für Arbeit, Frauen und Integration (SPD), wolle sie mit ihrem Team nach Warnemünde fahren. Gerade haben ihr die Mitarbeiter von MeinFernbus FlixBus bei einem Rundgang durch die Unternehmenszentrale erklärt, wie einfach das ist: Am Alexanderplatz mit Badeschlappen und Handtuch in den Bus, dreieinhalb Stunden später am Ostseestrand wieder raus. Kolat ist begeistert.

Sollte die Senatorin ihr Versprechen halten, muss sie ihre Reise nicht zwangsläufig am Alexanderplatz antreten. MeinFernbus FlixBus, der Berliner Fernbus-Primus mit über 70 Prozent Marktanteil, hat seine Haltestellen inzwischen über die ganze Stadt verstreut.

Neben dem Alex halten die froschgrünen Busse auch am Südkreuz, Flughafen Schönefeld, U-Bahnhof Alt-Tegel, Bahnhof Zoo und natürlich am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Charlottenburg. Diese dezentrale Strategie ist kundenfreundlich, kommt dem großflächigen Berlin entgegen, wurde aber auch aus der Not geboren.

Wachstum ohne Ende

Denn der ZOB, an dem das Unternehmen dieses Jahr geschätzte fünf Millionen Passagiere abfertigen will, ist überlastet – und wird es wohl auch nach dem anstehenden Ausbau bleiben. Denn die Branche wächst schier unaufhörlich. Knapp 20 Millionen Fahrgäste wurden 2014 deutschlandweit befördert, Marktforscher rechnen für dieses Jahr mit 30 Millionen.

Am ZOB registrierte der Betreiber Berliner Verkehrsbetriebe im vergangenen Jahr 175.000 An- und Abfahrten, für 2015 wird ein Zuwachs von 20 Prozent erwartet. MeinFernbus FlixBus rechnet gar mit 40 Prozent. „Wir sind auf den Berliner ZOB angewiesen“, sagt Geschäftsführer Daniel Krauss, „schauen uns aber natürlich immer nach Alternativen um.“

Und diese liegen derzeit offenbar im Osten der Stadt. Das Ziel: die Bewohner von Treptow-Köpenick besser an den Fernbusverkehr anbinden. Als Standort für einen zweiten ZOB im Osten liebäugelt das Unternehmen mit den Bahnhöfen Ostkreuz und Ostbahnhof. Bei Details gibt man sich bedeckt, Gespräche würden laufen. Überlegungen gebe es schon länger, bisher habe man aber noch kein geeignetes Grundstück in zentraler Lage gefunden. Als Ideal gelte das Umfeld Ostbahnhof.

Doch eben jenen Ostbahnhof hat der Senat als ZOB-Standort schon lange für untauglich befunden. Das Gelände sei zu klein, dort herrsche bereits ein hohes Verkehrsaufkommen. Ein zweiter ZOB im Ostteil sei zwar nicht für alle Zeiten ausgeschlossen, man konzentriere sich aber auf die Ertüchtigung des ZOB am Funkturm.

Deutsche Bahn will mit Haltestellen Geld verdienen

Fernbusse halten am Ostbahnhof trotzdem. Die Deutsche Bahn betreibt eine Haltestelle, die von der Unternehmenstochter BerlinLinienBus angefahren wird. Wie am Südkreuz, wo die Bahn ebenfalls eine Haltestelle betreibt, können auch andere Unternehmen diese nutzen – für sechs Euro pro Halt. „Wir laden alle herzlich ein, dort zu halten. Für alle gelten die gleichen Rahmenbedingungen“, sagt eine Bahnsprecherin.

Solche Abhängigkeiten gehören für MeinFernbus FlixBus dazu. „In manchen Städten haben die Betreiber von Haltestellen inzwischen erkannt, dass die Fernbusbranche boomt und die Gebühren mal eben verdoppelt“, sagt Geschäftsführer Krauss.

Doch anders als die Bahn, die in dem Betrieb von Haltestellen ein Geschäftsfeld entdeckt hat, das sie ausbauen will, setzt MeinFernbus FlixBus überwiegend auf fremde Betreiber. Auch wenn das zu Problemen führen kann. So kommt es immer wieder zu Pannen bei den Anzeigen, Busse halten nicht in den richtigen Buchten, Zeiten und Ziele werden falsch angegeben. „Wir arbeiten daran, die IT unserer Busse mit der der Busbahnhöfe anzugleichen, um solche Fehler zu vermeiden“, sagt Krauss.

Berlin schlägt Köln und Stuttgart

Mit den Rahmenbedingungen in Berlin ist MeinFernbus FlixBus an sich zufrieden. Genehmigungen für Haltestellen bräuchten im Durchschnitt zwei bis drei Monate. Im Vergleich zu Städten wie Stuttgart oder Köln sei das top.

Berlins Vorteil: Durch das hohe Fernbusaufkommen hat die Stadt sich den bürokratischen Anforderungen schnell angepasst. „Berlin hat das Potenzial der Fernbusse erkannt“, sagt Krauss, diese brächten schließlich Massen von Touristen in die Stadt.

In Aachen ist das ein bisschen anders. Dort wurde die Haltestelle für die internationalen Verbindungen vor einem Krematorium genehmigt. Bei MeinFernbus FlixBus finden sie das nicht ganz so passend.