Geht es Ihnen auch so? Wenn ich mich in den vergangenen Monaten, in den letzten Tagen so in der Welt umschaue, bin ich heilfroh, ja glücklich, in Berlin, in Deutschland, in einem stabilen demokratischen Land zu leben. Im Nordirak wütet die Terrormiliz IS, aus Syrien strömen die Flüchtlinge in die Nachbarländer und nach Europa, weil sie um ihr Leben fürchten müssen, in Mexiko verschwinden 43 Studenten, und es gibt kaum Hoffnung, dass sie noch lebend gefunden werden, im Iran wird eine junge Frau hingerichtet, weil sie sich gegen ihren Vergewaltiger wehrte, in Westafrika ist die todbringende Krankheit Ebola immer noch nicht eingedämmt …
Oder auch dies: In Ungarn sind Zehntausende Menschen in den vergangenen Tagen auf die Straße gegangen, weil sie eine Internetsteuer zahlen müssen. Die Steuer, selbst wenn sie für die meisten Ungarn finanziell leistbar ist, war ein Symbol für einen antiliberalen, zunehmend autoritären Staat. Am Freitag ist die ungarische Regierung glücklicherweise eingeknickt und hat das Gesetz zurückgezogen. Haben wir es nicht gut in Deutschland?
Und in Berlin – ja, da feiern wir in einer Woche ein Jubiläum, das auch 25 Jahre nach dem Ereignis immer noch ein Grund zur Freude ist. Mit dem Fall der Mauer am 9. November 1989 endete die Diktatur in Ostdeutschland, der Unrechtsstaat DDR. Auch wenn in den Jahren danach Fehler gemacht wurden, auch wenn bei der Abwicklung der Ost-Betriebe nicht alles rund lief, auch wenn Menschen ihre Arbeit verloren und mit der neuen Situation kaum zurechtkamen – wohl keiner wünscht sich die DDR zurück, in der es keine Wahlfreiheit, keine Presse- oder Reisefreiheit, schon gar keine Demonstrationsfreiheit gab.
Innehalten lohnt
Natürlich gibt es auch in Berlin noch Probleme. Wer in der kommenden Woche in Friedrichshain-Kreuzberg Elterngeld beantragen will, muss sich bis Dezember gedulden, denn die Elterngeldstelle ist für vier Wochen geschlossen – wegen Personalmangels und der vielen Anträge, die noch abzuarbeiten sind. Auch die Bürgerämter in fast allen Bezirken scheinen angesichts der wachsenden Stadt zu kapitulieren. Oder ein anderes Beispiel: Der Umgang mit den Flüchtlingen in der Kreuzberger Gerhart-Hauptmann-Schule, das Versagen des Rechtsstaats, lässt einen wahrlich verzweifeln.
Und dennoch: Manchmal, gerade in dieser Zeit des Rückblicks auf den Mauerfall, lohnt das Innehalten. Und das Nachdenken über die Welt – und unser Glück.



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