Das war eindeutig: Mit fast 60 Prozent der Stimmen haben die Berliner Sozialdemokraten den derzeitigen Stadtentwicklungssenator Michael Müller zum künftigen Regierenden Bürgermeister gekürt. Besser sollte man wohl sagen: zum Kandidaten für das Amt des Regierenden Bürgermeisters. Denn noch ist Müller nicht im Roten Rathaus angekommen. Das letzte Wort haben die Abgeordneten: Sie müssen ihn nach dem Rücktritt von Klaus Wowereit in einer geheimen Abstimmung mehrheitlich zum neuen Regierenden Bürgermeister wählen, erst dann ist dieser am Ziel.

Zugegeben – auch ich habe mich anfangs ein bisschen aufgeregt, dass letztlich nur rund 6000 Berliner Sozialdemokraten entscheiden, wer neuer Regierungschef im Land Berlin mit seinen rund 3,5 Millionen Einwohnern wird. Aber ich ließ mich eines Besseren belehren: Die Abgeordneten entscheiden über den Regierenden Bürgermeister – und das ist in einer repräsentativen Demokratie völlig in Ordnung.

Es sei denn, es hätte Neuwahlen gegeben. Doch dagegen waren SPD, CDU und auch die Piraten, wenn Letztere auch aus völlig anderen Gründen. Die Grünen und die Linken forderten seit Wowereits Rücktrittsankündigung Neuwahlen. Vergeblich, sie werden sich wohl gedulden müssen, denn derzeit deutet nichts darauf hin, dass die große Koalition Müller am 11. Dezember die Gefolgschaft verweigert. Auch einen Koalitionsbruch halten SPD und CDU für ausgeschlossen. Zu gering sind derzeit die politischen Differenzen oder anders: Zu groß ist das Interesse, noch bis Herbst 2016 in den jeweiligen Ämtern zu bleiben.

Nur einer hat vorzeitig aufgegeben: Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD). Er wusste genau, dass er bei Müller nicht Senator geblieben wäre. Die Wunden, die Nußbaum dem Stadtentwicklungssenator in den vergangenen Jahren geschlagen hat, waren zu schmerzhaft, als dass dieser darüber hätte hinweggehen können. Übrigens litt nicht nur Müller unter Nußbaum, sondern auch manch anderes Regierungsmitglied. Doch wie so oft im Leben, gilt auch in diesem Fall: Man sieht sich immer zwei Mal im Leben – mindestens.