Es war eines der geflügelten Worte des scheidenden Regierenden Bürgermeisters. Klaus Wowereit forderte ein „Sparen bis es quietscht“. Es war die Zeit der roten Zahlen, als der Schuldenberg Berlin zu erdrücken drohte.

Aber die Zeiten haben sich geändert. Die drei SPD-Kandidaten für die Wowereit-Nachfolge sprechen wieder vom Geldausgeben – in unterschiedlichen Dosen. Der eine mehr (Parteichef Jan Stöß), die anderen weniger (der Fraktionsvorsitzende Raed Saleh und Stadtentwicklungssenator Michael Müller). Aber Spielräume dank niedriger Zinsen und hoher Steuereinnahmen sehen alle.

Und auch die CDU schwenkt um. Am Montag kommt der kleine Koalitionspartner der großen Koalition zu einem kleinen Parteitag zusammen. Berlin – die wachsende Metropole ist das Leitthema. Es geht um einen „leistungsstarken und bürgernahen öffentlichen Dienst“, wie der Leitantrag überschrieben ist. Unterschrieben ist er übrigens auch von einem der wichtigen Haushaltspolitiker.

Eine Zahl wird nicht genannt

Wer in den Leitantrag einen Blick wirft, erkennt den Mentalitätswechsel. Da wird mit Rot-Rot (den Sparern bis es quietscht) und den Nullrunden für die Beamten abgerechnet. Sparen um jeden Preis komme der wachsenden Metropole Berlin teuer zu stehen, heißt es dort. Zwar fällt in dem 15-seitigen Leitantrag auch die Worte „ambitionierte Sparziele“. Aber es wirkt wie ein Feigenblatt, wenn man auf die Wunschliste der CDU schaut. Zusätzliche Stellen bei Polizei, Feuerwehr und Justiz, bei den Lehrern in den Kitas, in den Finanz-, Ordnungs- und Bürgerämtern. Eine Zahl wird nicht genannt. Aber es geht ausdrücklich um mehr Personal, nicht nur um die Wiederbesetzung der Tausenden Stellen, die in den nächsten Jahren aufgrund der Alterspyramide frei werden.

Die CDU will aber mehr. Sie will einen Mentalitätswandel erreichen. Es soll nicht mehr gestöhnt werden über lange Wartezeiten auf den Bürgerämtern oder bei den Gerichten. Die Union will eine Imagekampagne aufziehen. Das Vorbild ist die Berliner Stadtreinigung, der es gelang, durch eine geschickte Werbeaktion die Männer und Frauen in Orange ins positive Licht zu rücken.

Mit Klaus Wowereit und seinem Finanzsenator Ulrich Nußbaum war ein massives Geldausgeben nicht zu machen. Aber ab Dezember regiert ein neuer Bürgermeister, vielleicht mit einem neuen Finanzsenator. Der zukünftige Regierende Bürgermeister benötigt die Stimmen der Union. Und die Union könnte auf der Haben-Seite mit Blick auf die nächsten Wahlen noch einige Pluspunkte gebrauchen. Es beginnen spannende Wochen.

Der kleine Landesparteitag der CDU findet übrigens beim Deutschen Gewerkschaftsbund statt. Also eine Art Heimspiel für diejenigen, die den öffentlichen Dienst stärken wollen.