Meine Woche

Die Berliner müssen von Olympia überzeugt werden

Berlin kann Sport, das hat die WM-Feier auf der Fanmeile diese Woche eindrucksvoll bewiesen. Doch für eine Olympia-Bewerbung braucht es ein nachhaltiges Konzept, das überzeugt, meint Gilbert Schomaker.

Foto: Paul Zinken / dpa

Was für ein rauschendes Fest war diese Fußball-Weltmeisterschaft mit der Nachspielzeit auf der Fanmeile am Brandenburger Tor. Berlin hat der Nationalmannschaft einen würdigen Empfang bereitet. Die Bilder von Menschenmassen auf den Straßen, die friedlich und glückselig ihre Weltmeister feierten, gingen um die Welt. Sie zeigen auch, wie selbstverständlich es ist, dass die Nationalmannschaft nach Berlin kommt. Schon in der Kabine sangen die Weltmeister „Berlin, Berlin – wir fahren nach Berlin“. Auch wenn sich Frankfurt kurzfristig um den Empfang beworben hatte, fiel die Wahl auf die Hauptstadt.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) nutzte die Gelegenheit, noch einmal für Olympia in Berlin zu werben. Natürlich ist die Euphorie einer Fanmeile nicht so einfach zu verlängern. Es gibt eine Skepsis in der Bevölkerung gegenüber überdimensionierten Sportereignissen wie es die Olympischen Spiele schnell sein können. Die Linkspartei warnte diese Woche schon, dass der Sport in den Vereinen und Schulen durch eine Olympiabewerbung nicht gefördert wird. Nutznießer seien vor allem die Sportfunktionäre des IOC und die Sportindustrie. Der Senat solle in die Bäderbetriebe und in den Schul- und Breitensport investieren, so die sportpolitische Sprecherin Gabriele Hiller.

Doch das ist zu kurz gedacht. Ein Bewerbungskonzept für Olympia in Berlin würde ja gerade die vielen vorhandenen Sportstätten einbinden. Dringend notwendige Investitionen könnten über ein nationales Olympia-Förderprogramm mitfinanziert werden. Wer in diesen heißen Tagen im Olympiabad war, weiß, dass eine Renovierung dem Areal guttäte.

„Das Vertrauen der Bevölkerung stärken“

Nur wenn es gelingt, mit einem nachhaltigen Konzept die Berliner von der eigentlich großartigen Idee zu überzeugen, Olympische Spiele wieder in Berlin zu veranstalten, kann eine Bewerbung erfolgreich sein. Das hat auch der Deutsche Olympische Sportbund erkannt. Er will die Marke „Olympia“ attraktiv halten und „das Vertrauen der Bevölkerung stärken“, wie es in einem diese Woche veröffentlichten Diskussionspapier heißt.

Es geht bei einer Bewerbung Berlins um Olympia eigentlich um die Aktivierung des Wir-Gefühls. Der Senat muss eine Begeisterung bei den Berlinern für die Spiele in der Hauptstadt entwickeln. Oder anders gesagt: Berlin braucht eine Fanmeile für Olympia.