Olympiastadion

Sanierung der Schwimmstadion-Tribünen verzögert sich

Die Arbeiten am olympischen Schwimmstadions sollten im Herbst beginnen, nun ist der Start ungewiss. Eine große Lösung für den denkmalgeschützten Komplex von 1936 steht aus.

Foto: Lehtikuva Teemu Salonen / PA/dpa

Die deutschen Schwimmer sind ziemlich baden gegangen 1936. Keine Goldmedaille konnten sie im seinerzeit hochmodernen Wettkampfbecken des olympischen Schwimmstadions von Berlin erringen. Star der Wettbewerbe war die Holländerin Hendrika Mastenbroek, die vor 18.000 Zuschauern drei Gold- und eine Silbermedaille gewann.

So viel Publikum wie damals wird nie wieder die Tribünen bevölkern. Und deshalb weiß in der Stadt noch niemand so recht, was man mit den maroden Tribünen anfangen soll. Eine Weltmeisterschaft wie 1978 im umgebauten Olympia-Schwimmstadion wird es in absehbarer Zeit auch nicht mehr unter freiem Himmel geben.

Olympia-Fähigkeit wird geprüft

Die Technik sollte ursprünglich nach Abschluss der sommerlichen Badesaison auf einen aktuellen Stand gebracht werden. Denn „aufgrund des desolaten baulichen Zustandes“ drohe dem Olympiabad „derzeit aus sicherheitstechnischen und hygienischen Gründen die Schließung“, schreibt Senatsbaudirektorin Regula Lüscher in einer Mitteilung ans Abgeordnetenhaus.

3,5 Millionen Euro will das Land in den kommenden Monaten verbauen, um die Tribünen abzudichten, die inneren Umgänge zu rekonstruieren, Grundkonstruktion und Fassade instand zu setzen, die Innenräume für die Badnutzung herzurichten sowie Becken und badetechnische Anlagen zu sanieren. Die Arbeiten sollten im April 2015 abgeschlossen sein, sodass die nächste Sommersaison nicht beeinträchtigt wird. Noch gibt es jedoch kein grünes Licht für die Sanierung. Der Hauptausschuss hat die Entscheidung darüber auf Oktober vertagt. Der Senat solle zunächst einen Bericht über die „Olympia-Fähigkeit“ des Geländes liefern, solle also prüfen, ob die alten Anlagen für eine Olympia-Bewerbung für 2024 oder 2028 ins Rennen geschickt werden können.

„Unabhängig vom Umgang mit den denkmalgeschützten Tribünengebäuden kann eine Sanierung der Becken und badetechnischen Anlagen vorgezogen werden“, schreibt Lüscher dem Parlament. Denn die Olympia-Gebäude von 1936 stellten eine „bau- und kulturhistorisch herausragende Sportstätte“ dar, die „selbstverständlich als Flächendenkmal unter Schutz“ stehe.

Die Sportler wollen mit den maroden Tribünen lieber nichts zu tun haben. „Man sollte sehr genau über den Zusammenhang von Kosten und Nutzbarkeit nachdenken“, sagte der Präsident des Landessportbundes (LSB), Ex-Senator Klaus Böger. Der organisierte Sportler hat wenig Verständnis dafür, die auf 20 bis 30 Millionen Euro geschätzte Sanierung zu stemmen, während andernorts stark genutzte Sportanlagen verfallen.

Den Denkmalschutz könnte man eventuell auch damit befriedigen, dass Teile der alten Gebäude erhalten werden, heißt es beim LSB. Für die in Rede stehende Investitionssumme bekomme man schon fast eine komplett neue Schwimmhalle, oder man könnte ein Glasdach über Sportbecken und Tribünen legen. In jedem Falle solle die Denkmalschutzbehörde neu überlegen.

Diese Überlegungen sind noch nicht abgeschlossen. Deshalb stehen die 29 Millionen Euro, die der Senat im Zuge der Sanierung des gesamten Olympiaparks für das Schwimmbad ausgeben will, ohne weitere Präzisierung in den Plänen des Senats. Klar ist allein, dass der Löwenanteil dieses Geldes erst ab 2016 fließen soll, auch wenn nun die Modernisierung der Becken vorgezogen wird.

Die Haushalts- und Sportpolitiker von SPD und CDU haben informell verabredet, dass die eventuelle Sanierung der seit dem Umbau vor 1978 noch 7500 Menschen fassenden Tribünen nicht aus den Mitteln des Sports und damit der Senatsverwaltung für Inneres und Sport von Senator Frank Henkel (CDU) bezahlt werden soll. Stattdessen müsste die Denkmalschutzbehörde beziehungsweise die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung von Michael Müller (SPD) die Millionen aufbringen. „Wenn es Bestrebungen gibt, die Tribünengebäude zu erhalten, sollte das nicht aus Sportmitteln geschehen“, sagte der Experte der SPD-Fraktion, Dennis Buchner. Man werde die Tribünenanlage „nie wieder benötigen“, ist der Abgeordnete überzeugt.

Suche nach Fördermitteln

Buchners CDU-Kollege Peter Trapp legt etwas mehr Wert auf die historischen Anlagen an der Nordseite des Stadions. Im Interesse des Gesamtensembles sollten die Denkmalschützer schon darauf achten, dass die Tribünen erhalten bleiben, sagte er. „Natürlich können wir sie abreißen und dort ein Spaßbad bauen“, sagte der Christdemokrat, „aber wollen wir das?“ Auch im Hause Henkel will man das Ensemble erhalten. „Die Absicht zur Gesamtsanierung des Olympia-Schwimmstadions besteht weiterhin“, sagte ein Sprecher. Die erforderliche Gesamtsumme könne aber „allein aus Investitionsmitteln des Landes Berlin nicht bestritten werden“. Derzeit werde geprüft, ob es Fördermittel des Bundes oder der EU geben kann.

Für das Gesamtprojekt Olympiapark wären die für den Denkmalschutz des Schwimmstadions eingesparten Millionen ein warmer Regen. Insgesamt will Berlin mittel- und langfristig 83 Millionen Euro ausgeben, um Sportanlagen und andere Gebäude rund um das Olympiastadion herzurichten. Sieben Millionen sind davon schon verbaut. Jahrzehntelang saß die britische Armee auf weiten Teilen des Areals, viele Immobilien sind in schlechtem Zustand.

Bisher sind neben dem Olympiabad drei weitere Vorhaben konkret in der Planung. Im Deutschen Sportforum wurde bereits eine von den Briten als Fahrzeughalle genutzte Sporthalle wiederhergestellt, die auch die Poelchau-Schule nutzen kann. Die Treppen der Waldbühne sollen ab Jahresende 2014 saniert werden. Und das Sportmuseum Berlin soll für insgesamt 7,6 Millionen Euro in zwei Abschnitten ausgebaut werden. Ein Exponat dort wird der Zettel mit den Autogrammen der Fußball-Weltmeister 2014 sein, die der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) beim Mannschaftsempfang eingesammelt hat.