Meine Woche

Mit dem Taxi nach Mitte - ein Abenteuer für sich

Die Berliner Taxifahrer sollten mehr Zeit in die Pflege ihrer Fahrzeuge oder in Kurse für mehr Höflichkeit und bessere Ortskenntnisse investieren. Christine Richter über ihre Reisen durch die Stadt.

Ich fahre immer mal wieder Taxi in Berlin – meist, wenn es schnell gehen muss, wenn ich einen wichtigen Termin habe und weiß, dass dort die Parkplatzsuche länger dauern wird als die Anfahrt mit dem Auto. Wenn ich vom Flughafen Tegel in die Welt aufbrechen will, dann benutze ich ein Taxi – und auch zurück vom Flughafen in den Prenzlauer Berg. Das Schöne an der Sache: Ich habe immer was zu erzählen.

Kürzlich musste ich vom Kurfürstendamm zu einem Termin nach Mitte, in die Brunnenstraße. Der Fahrer jedoch ignorierte alle Möglichkeiten, über eine Strecke mit Busspuren nach Mitte zu fahren. Er steuerte zielstrebig den Hauptbahnhof an, obwohl doch jeder Autofahrer weiß, dass dort seit Monaten gebaut wird. Gerade zur Nachmittagszeit gibt es kaum ein Durchkommen. Und seit einigen Tagen geht es auf der Invalidenstraße nur noch einspurig gen Osten. Wir standen im Stau.

Als der geschafft war, bog der Mann auf die Bernauer Straße ab. „Wo wollen Sie denn hin?“, fragte ich – leicht fassungslos. Es folgte ein kleiner Disput über Baustellen, Busspuren, bessere Verbindungen. Der Taxifahrer: „Sie hätten ja sagen können, wie Sie fahren wollen.“ Immerhin stellte er das Taxameter aus – und die Musik laut. Die Tatsache, dass auch der andere Taxifahrer auf der Rückfahrt den direkten Weg zurück zum Kurfürstendamm mied und lieber noch eine Schleife über die Straße des 17. Juni drehte – um auf mein Unverständnis dann ebenfalls verärgert zu reagieren – ließ mich dann wirklich ratlos zurück.

Wowereit trägt die Uber-Brille

Die Fortsetzung folgte in dieser Woche. Da war der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zu Gast bei der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK). Er hielt eine ausführliche Rede über Berlin, es folgte eine launige Diskussionsrunde. Bei diesen Veranstaltungen der IHK meldet sich stets auch ein Vertreter des Taxiverbandes zu Wort. So fragte er also auch Wowereit, was dieser denn halte von dem neuen Onlinefahrdienst Uber. Warum sich Wowereit kürzlich bei einer Präsentation mit einer Uber-Brille habe fotografieren lassen. Ob er wisse, dass das Unternehmen dieses Foto für PR-Zwecke genutzt habe. Und überhaupt, hinter Uber stehe ja Google, außerdem seien damit Tausende Arbeitsplätze von Taxifahrern in Berlin bedroht …

Wowereit wich der Frage ein bisschen aus, sagte, er kenne Uber gar nicht, und das mit dem Foto sei auch nicht so gemeint gewesen. Schade, denn das wäre eine gute Gelegenheit gewesen, dem Taxiverbandsvertreter mal zu fragen, warum der Verband so schlechte Taxifahrer duldet. Warum er seine Fahrer nicht besser kontrolliert. Warum er zulässt, dass manche Taxifahrer – siehe oben – so wenig Ortskenntnis haben. Warum er so dreckige und heruntergekommene Wagen auf die Straße lässt – kürzlich saß ich in einem, da musste man das Fenster noch nach oben kurbeln.

Die Berliner Taxifahrer haben kürzlich in der Stadt gegen die neue Konkurrenz demonstriert. Die Zeit hätten sie besser in die Pflege ihrer Fahrzeuge oder in Kurse für mehr Höflichkeit und bessere Ortskenntnisse investieren sollen. Uber findet doch nur deshalb großes Interesse, weil die Taxifahrer in Berlin einen solch schlechten Service bieten. Leider.