Meine Woche

Wie man Politiker von seinen Ideen überzeugen kann

In Zoo und Bäderbetrieben sind neue Chefs eingezogen, die Berlin guttun. Interessant ist, wie geschickt sich der neue Zoochef Knieriem auf dem politischen Parkett bewegt, stellt Gilbert Schomaker fest.

Berlin hat einige neue Vordenker. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. In einigen Landesunternehmen wie dem Zoo oder den Bäderbetrieben sind neue Chefs eingezogen, die der Stadt guttun.

Interessant war diese Woche, wie geschickt sich der neue Zoochef Andreas Knieriem auf dem Berliner politischen Parkett bewegt. Knieriem wirbt seit seinem Amtsantritt im Frühjahr dieses Jahres für eine Modernisierung des Zoologischen Gartens und vor allem des Tierparks. Die Gehege im Ostteil der Stadt verzeichnen seit Jahren stagnierende Besucherzahlen. Investitionen wären dringend nötig. Doch dafür braucht der neue Zoochef Geld. Das müssen ihm die Berliner Abgeordneten bewilligen.

In dieser Woche reiste der für die Finanzen zuständige Hauptausschuss nach Hannover, um sich den dortigen Zoo einmal anzuschauen. Für 120 Millionen Euro sind dort in den vergangenen Jahren völlig neue Gehege entstanden, die die Besucher mitnehmen auf eine Reise in die Welt der Tiere. Die Areale sind so gestaltet, wie die Natur, aus der die Tiere stammen, nicht kalte Fliesen und Beton. Und die Besucher erleben die Tiere auf „Augenhöhe“ – nah dran an Löwen und Co. – das ist schon spannend. Nun ging die Initiative von einigen Parlamentariern aus, aber der Berliner Zoochef war mit dabei, konnte werben für seine Umbaupläne in Berlin. So kann man auch Politiker von Ideen überzeugen.

Bei den Berliner Schwimmbädern muss sich auch etwas tun. Über Jahrzehnte stagnierte die Bäderlandschaft. Der neue Chef Ole Bested Hensing will die Hallen- und Freibäder auch modernisieren. Er setzt vor allem auf Erlebnisbäder, die eine breite Bevölkerungsschicht ansprechen sollen. Auch er braucht dafür Millionen Euro aus der Landeskasse.

Bested Hensing, der vor seiner Berliner Station das Tropical Island in Brandenburg leitete, ist mit seinem ersten Vorstoß gescheitert – eben, weil er die Politiker noch nicht für seine Ideen gewinnen konnte und viele Abgeordnete Nachteile oder Schließungen der Bäder in ihrem Wahlkreis befürchten. Bested Hensing hatte – ohne große Werbetour – einen Plan präsentiert, der viele Entscheidungsträger aus der Politik überrascht hatte.

Der Zoochef ist da diese Woche geschmeidiger vorgegangen. Dabei täte auch der Berliner Bäderlandschaft ein Modernisierungsschub gut. Vielleicht wäre es auch für den Bäderchef sinnvoll, es dem Zoochef nachzutun und dem Hauptausschuss einige moderne Bäder in anderen Städten zu zeigen. Vielleicht springt da ja auch die ein oder andere Idee heraus, wie man dank einer Anschubfinanzierung durch die öffentliche Hand die Einnahmen verbessern kann. Diese Woche jedenfalls hat sich gezeigt: Reisen bildet.