Zoo und Tierpark

Neuer Zoo-Direktor stoppt Kurzzeit-Verträge für Tierpfleger

Mitarbeiter des Tierparks sollen über längere Zeit mit Verträgen beschäftigt worden sein, die immer nur für einen Monat gegolten haben. Dies soll es unter dem neuen Direktor Knieriem nicht mehr geben.

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Kurzfristige Arbeitsverträge, die nur für einen Monat gelten, sollen im Tierpark ab sofort nicht mehr abgeschlossen werden. Solche Vereinbarungen seien nicht im Sinne des neuen Direktors, Andreas Knieriem, sagte Claudia Bienek, Sprecherin von Tierpark und Zoo, gestern. „Es wird zukünftig keine Monatsverträge mehr geben. Er wird solche Verträge nicht unterschreiben.“ Dem neuen Chef von Zoo und Tierpark sei wichtig, so die Sprecherin, dass Arbeitnehmer, Arbeitgeber und der Betriebsrat dazu Gespräche führen. „Um für alle Beteiligten eine gute Lösung zu finden.“

Ihm sei auch wichtig, „dass die Mitarbeiter Urlaub nehmen können, und dass sie planen können“. Knieriem reagiert damit auf einen Bericht der „BZ.“ Demzufolge sollen einige Tierpfleger im Tierpark schon über längere Zeit mit Verträgen beschäftigt worden sein, die nur für einen Monat gelten. Diese Pfleger wurden eingestellt, um erkrankte Mitarbeiter zu vertreten. Sie erfuhren erst zum Ende des Vertragslaufzeit, ob sie auch im kommenden Monat beschäftigt werden. Dann wurde ein neuer Arbeitsvertrag geschlossen. Den Betroffenen war es deshalb nicht möglich, zu planen – und zum Beispiel auch Urlaub zu beantragen. Sprecherin Bienek bestätigte, dass es einige solcher Mitarbeiter im Tierpark gebe. „Es sind immer individuelle Fälle.“ Die Balance von Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Betriebsrat sei für Direktor Knieriem „ein absolutes Muss“. Er werde sich dieser Angelegenheit annehmen.

Eine Aufeinanderfolge von Monatsverträgen sei grundsätzlich zulässig, sagte der Berliner Rechtsanwalt Michael Tscherch. Der Arbeitgeber gehe jedoch ein gewisses Risiko ein, wenn er mehrere Verträge über kurze Fristen hintereinander abschließe. Es müsse jedoch eine sachliche Rechtfertigung für die fortgesetzte befristete Beschäftigung geben. „Das Bundesarbeitsgericht (BAG) prüft diese Begründungen seit zwei bis drei Jahren auf Rechtsmissbrauch hin.“ Wenn eine Zahl von zehn kurzfristigen Vereinbarungen hintereinander überschritten werde, oder sechs Jahre lang solche Verträge mit einem Beschäftigten abgeschlossen wurden, so Tscherch, „dann wird es kritisch“. Den kurzfristig Beschäftigten im Tierpark stehen nach Auskunft des Rechtsanwalts zwei Werktage im Monat als Urlaub zu. „Solange sie noch nicht ein halbes Jahr dabei sind.“ Danach habe ein Arbeitnehmer Anspruch auf den vollen Urlaub. Rechtsanwalt Tscherch ist Spezialist für Befristungsrecht.

Andreas Knieriem ist seit Anfang April als neuer Direktor von Zoo und Tierpark im Amt. Zuvor war er Chef des Tierparks Hellabrunn in München. Knieriem löste Bernhard Blaszkiewitz ab, der Ende März vorfristig aus dem Amt schied. Der Aufsichtsrat hatte entscheiden, dass der Vertrag von Blaszkiewitz nicht verlängert wird. Der ehemalige Zoo-Chef stand häufig wegen seines Umgangs mit Mitarbeitern in der Kritik. Wenn nun der neuen Chef von Zoo und Tierpark die Kurzzeit-Verträge ablehnt, zeigt das einen neuen Umgang mit dem Personal.