In diesem Jahr feiern wir in Berlin ein schönes Jubiläum: 25 Jahre Mauerfall. Damals, nach dem Sturz des SED-Regimes, wurden in Berlin zwei öffentliche Verwaltungen zusammengeführt. Es gab teilungsbedingt nämlich in beiden Teilen der Stadt viel zu viel Personal. In Westberlin, weil man die Menschen in der Stadt halten wollte und ja irgendwie beschäftigen musste, wo doch nach dem Bau der Mauer 1961 so viele Unternehmen die Stadt verlassen hatten. Sogar eine Berlinzulage wurde den Mitarbeitern im öffentlichen Dienst gezahlt. In Ostberlin war die Verwaltung ebenfalls aufgebläht, denn offiziell durfte es in der DDR keine Arbeitslosigkeit geben.
Nach dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung wurden in Berlin auch die öffentlichen Behörden neu strukturiert und das Personal über die Jahre abgebaut. Schritt für Schritt – ein langwieriger Prozess. Frei werdende Stellen wurden nicht mehr besetzt, Bezirksämter und ihre Behörden verkleinert und auch die Zahl der Senatsverwaltungen drastisch reduziert. Zumal die Schulden des Landes Berlin im wiedervereinigten Deutschland dramatisch anstiegen und heute bei rund 63 Milliarden Euro liegen. Der Senat setzte sich also die Zielmarke von 100.000 Beschäftigten im öffentlichen Dienst. So weit, so richtig.
Was jedoch nicht funktionierte, war eine durchdachte, eine sinnvolle Personalplanung. Noch treffender: Personalentwicklungsplanung. Das ist, das wird jeder Unternehmer bestätigen, keine einfache Aufgabe. Denn man muss planen, wer in fünf, zehn, 15 oder 20 Jahren gebraucht wird. Wen man ausbilden, wen man fördern oder wen man einstellen muss. Doch eine solche Planung gab es kaum und dieser Fehler rächt sich jetzt.
Beispiel: Brückensanierung. Die zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung kommt nicht hinterher. Das liegt aber nicht nur an den fehlenden finanziellen Mitteln, sondern vor allem an den fehlenden Bauplanern, die solche Großprojekte für das Land Berlin stemmen könnten.
Beispiel: dreckige und marode Schulen. Beim Leserforum der Berliner Morgenpost in dieser Woche berichteten die Stadträte aus Steglitz-Zehlendorf, Cerstin Richter-Kotowski (CDU), und Friedrichshain-Kreuzberg, Peter Beckers (SPD), eindrucksvoll, wie sehr sie unter den fehlenden Experten leiden. Denn als Stadträte müssen sie sich beispielsweise um die Ausschreibungen für Reinigungsdienste oder Sanierungsarbeiten und auch um Schulneubauten kümmern. Das sind heutzutage komplexe Themen, europaweite Ausschreibungen sind häufig vorgeschrieben. Dafür braucht man Experten in den Bezirksämtern, doch solche sind rar – und kaum noch zu finden. Mit der Folge: Alles verzögert sich, Bauprojekte dauern viel zu lange und sind darüber hinaus auch noch extrem teuer.
Die wohl entmutigendste Nachricht: Eine Lösung, gar eine schnelle, ist nicht in Sicht. Denn dafür bräuchte man ja eine seriöse Personalentwicklungsplanung.





