Stephani Bahlecke ist oft in Steglitz unterwegs. Nach einem ihrer letzten Spaziergänge musste sie sich sofort an ihren Computer setzen und einen Brief an das Grünflächenamt des Bezirks schreiben. Ihr Entsetzen war so groß, dass sie keinen anderen Ausweg mehr wusste. Erschrocken sei sie gewesen, über den Müll in Parks und auf Spielplätzen, erzählt sie. Über Glasscherben, überquellende Papierkörbe und völlig verdreckte Sandkästen. Sie hat einige Müllschwerpunkte ausgemacht. Dazu gehören der Park und der Spielplatz hinter der Schwartzschen Villa, der Spielplatz an der Herderstraße, die Grünanlage hinter dem Forum Steglitz und der Ruth-Andreas-Friedrich-Park auf dem Fichtenberg. Dort hätte sie sogar Haschischbriefchen und Einwegbesteck gefunden, sagt die engagierte Steglitzerin.

Sie schloss ihr Schreiben mit der Erwartung, dass der Müll abgeholt und eine Lösung für die stark belasteten Plätze gefunden werde. Das wird aber so schnell noch nicht passieren. „Wir haben zwar Firmen mit der Reinigung beauftragt, die fangen aber erst im April an“, sagt Monika Osteresch, Leiterin des Fachbereichs Grünflächen im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Daher gebe es einen Engpass, das müsse sie zugeben. Für das erhöhte Müllaufkommen sei nicht zuletzt das schöne Wetter der vergangenen Wochen verantwortlich. „Es ist zu früh zu schön“, sagt die Fachbereichsleiterin. Viele Leute würden bereits rausgehen, durch die Parks spazieren oder mit den Kindern auf dem Spielplatz sein.

Grundflächenamt noch mit klassischen Winterarbeiten beschäftigt

Früher hätten sie noch Berliner aus Beschäftigungsmaßnahmen gehabt, die sie spontan einsetzen konnten. Doch diese Maßnahmen würden immer mehr abnehmen. Knappe Ressourcen, keine Leute, das sei der eine Grund dafür, dass der Müll liegen bleibe. Zudem seien die Mitarbeiter des Grundflächenamtes noch mit den klassischen Winterarbeiten beschäftigt. Dazu gehöre unter anderem der Strauchschnitt. Kein Verständnis hat Monika Osteresch für das „merkwürdige Verhalten der Gesellschaft“. „Warum kann nicht jeder seine Tüten und Flaschen einfach wieder mitnehmen?“, fragt sie. Selbst in der Saison schaffe es das Grünflächenamt nur einmal in der Woche, die öffentlichen Parks und die Spielplätze zu reinigen.

Auch andere Bezirke haben Probleme, meist fehlt es an Geld und Personal für einen Frühjahrsputz. „Wir haben keine Kapazitäten für Sonderreinigungen“, sagt Manfred Wollert vom Straßen- und Grünflächenamt Spandau. Die Parks seines Bezirks werden in der Regel anlassbezogen gereinigt, wobei es „sehr subjektiv ist, ab wann eine Anlage als vermüllt gilt“, so Wollert. Für häufig genutzte Grünanlagen wie das Lindenufer, den Südpark oder den Stabholzgarten ist eine private Reinigungsfirma damit beauftragt, zweimal pro Woche eine Intensivreinigung durchzuführen.

Das Geld für den Frühjahrsputz fehlt in Pankow

In Pankow wird es ebenfalls keinen Frühjahrsputz geben. „Es wäre schön, wenn wir so eine Aktion machen könnten, jedoch haben wir dafür keine finanziellen oder personellen Mittel“, sagt Wolf Sasse vom Bezirksamt Pankow. Bis jetzt sei in den Grünanlagen noch wenig los, der Müll von Silvester sei längst weggeräumt, die Parksaison gehe ohnehin erst im April los. Bis dahin setzt der Bezirk auf die freiwillige Hilfe durch Anwohner. „Auf ehrenamtlicher Basis räumen Anwohner in ihrem persönlichen Umfeld Müll weg, wir unterstützen das mit dem Abtransport oder der Bereitstellung größerer Container“, sagt Sasse.

In Reinickendorf wird es zwar einen Frühjahrsputz geben, jedoch erst im April. „Wir haben in den letzten Jahren immer vor Ostern eine Kampagne gestartet, in der wir unsere Bürger dazu aufrufen, selbst mit anzupacken und im Sinne des Gemeinwohls in den Grünanlagen ein wenig aufzuräumen“, sagt Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU). Zudem würden bei der Pflanzung von über 20.000 Blumenzwiebeln gleichzeitig die betroffenen Grünflächen gesäubert.

BSR reinigt die Plätze, Straßen und Gehwege

Auch die Berliner Stadtreinigung (BSR) hat diese Woche mit der Grundreinigung der Berliner Straßen, Plätze und Gehwege begonnen. Rund 2.100 BSR-Beschäftigte und 600 Straßenreinigungsfahrzeuge sind beim Frühjahrsputz im Einsatz, um die Stadt vom übrig gebliebenen Winterschmutz zu befreien. Die Männer und Frauen in Orange arbeiten sich dabei von den Tourismuszentren und Hauptverkehrsstraßen über die Nebenstraßen in die Siedlungsgebiete am Stadtrand vor. Beim Frühjahrsputz werden Gehwege und Fahrbahnen gekehrt, Baumscheiben und Grünstreifen gesäubert sowie Straßenpapierkörbe gereinigt, repariert und gegebenenfalls ausgetauscht. Darüber hinaus werden illegale Sperrmüllablagerungen beseitigt.

Der Straßenkehricht besteht größtenteils aus Streugutresten wie Splitt und Sand sowie aus Verpackungsmaterialien, Zigarettenkippen und Hundekot. In einem harten Winter wie 2009/2010 fallen so beim Frühjahrsputz 60.000 Tonnen Straßenkehricht an, bei den milden Temperaturen dieses Jahr ist das laut BSR jedoch nicht zu erwarten. Während die Reinigung des öffentlichen Straßenlandes im Verantwortungsbereich der BSR liegt, müssen in Privatstraßen die Eigentümer selbst säubern. Für die Reinigung von Parks sind in der Regel die Grünflächenämter der Bezirke zuständig.

Stephani Bahlecke hat in Steglitz schon einige Ideen, wie die Situation vor allem hinter der Schwartzschen Villa an der Grunewaldstraße verbessert werden kann. „Vielleicht sollte man die Geschäftsleute aus dem ‚Schloss‘ einbeziehen und sie Patenschaften übernehmen lassen“, sagt die 61-Jährige. Schließlich kämen die Leute aus dem Einkaufszentrum mit Kaffeebechern und Snacktüten in den Park. Außerdem sollte die Beleuchtung in der Anlage verbessert werden. Nachts würden sich die Jugendlichen treffen und ihre Flaschen oder auch die Scherben einfach liegen lassen. „Im Schein der Laternen würden sie sich das vielleicht nicht mehr trauen.“