Was für ein Rutsch ins neue Jahr. Eine Million Menschen feierten am Brandenburger Tor ins neue Jahr. Hunderttausende Touristen wollten unbedingt in DER Stadt Deutschlands Silvester feiern. Es war friedlich, schön und ausgelassen. So macht Berlin seinem Image als aufregendste, aber auch tolerante und besuchenswerte Stadt alle Ehre.
Von den vielen Touristen – das weiß mittlerweile jeder – profitieren Berlins Gaststätten und Hotels. Und seit dem 1.1. auch der Finanzsenator, der sich über die Einnahmen der neuen Bettensteuer freuen darf. Da sollte Berlin alles daransetzen, auch weiterhin attraktiv zu bleiben.
Die Berliner könnten da ein Stück weit mithelfen. Zum Beispiel durch ein wenig Eigeninitiative. Denn bisher überlassen sie nach dem großen Knallen das Saubermachen der Stadt der BSR. Die Mitarbeiter der Stadtreinigung bemühen sich zwar nach allen Kräften, möglichst schnell möglichst viel Böller-Müll aufzusammeln.
Mit schwerem Räumgerät, das Ähnlichkeiten mit Schneepflügen hatte, und mit Hunderten Mitarbeitern, die mit Besen bewaffnet durch die Straßen ziehen, versucht die Stadtreinigung Herr der Lage zu werden.
Nach Silvester wird das Aufräumen dauern
Doch nach diesem Silvester wird das Aufräumen einige Tage dauern. Die Stadt sah in vielen Gegenden wahrlich nicht schön aus. Von einem „roten Teppich“ sprechen beschönigend die BSR-Mitarbeiter. Einige Plätze waren so mit dem Silvesterabfall übersät, dass alle nur noch rot sehen konnten. Das Problem verschärft sich noch.
Seit einigen Jahren werden immer mehr Böllerbatterien verkauft. Sie sind praktisch. Nur einmal anzünden – und dann feuern sie minutenlang. Deswegen sind sie auch beliebt. Doch nach Neujahr lagen Tausende solcher Raketenbatterien auf den Geh- und Radwegen sowie den Straßen.
In diesem Jahr gewann man den Eindruck, dass es besonders schlimm war. Ein zunehmendes Problem ist auch, dass viele Flaschen, die als Raketenabschussbasis dienen, einfach auf den Straßen und Bürgersteigen liegen gelassen werden. Auch der Flaschenmüll war enorm in diesem Jahr.
Vor vier Jahren forderte die damalige Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) die Berliner auf, ihren Raketen- und Böllermüll gleich wieder zu entsorgen. Damals lag viel Schnee, und das erschwerte die Aufräumarbeiten durch die BSR, die gleichzeitig auch noch den Schneeräumdienst übernehmen musste. Der Appell verhallte weitgehend ungehört. In diesem Jahr ist der Schnee wahrlich nicht das Problem. Aber den Aufruf könnte man trotzdem wiederholen.
Bürgersinn ist in Berlin wenig verbreitet
Es gehört zur Berliner Mentalität, dass der Silvestermüll Aufgabe der BSR ist. Wieso eigentlich? Wäre es nicht möglich, wenigstens die groben Reste wenn nicht in der Nacht, dann doch zumindest am nächsten Morgen wegzuräumen?
Diese Art von Bürgersinn ist in Berlin nur wenig verbreitet. Man könnte fast meinen, die Hinterlassenschaften werden in Berlin sozialisiert, einfach miteingepreist in die Jahresabrechnung für den Müll.
Es ist wie mit dem Abfall in den Parks. Zu Tausenden strömen die Berliner in die großen Grünflächen in der Innenstadt. Ihren Müll lassen sie aber dort häufig einfach liegen. Was zu Silvester der Böllermüll, ist im Sommer der Essens- und Getränkemüll.
Ein Umdenken wäre schön. Eigentlich gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Berliner nehmen ihren Müll einfach mit nach Hause oder werfen ihn in den nächsten Container. Oder man könnte beim Kauf der Böller eine Entsorgungsgebühr draufschlagen. Wer viel Müll hinterlässt, müsste dann auch mehr dafür zahlen.




