Geschichte wiederholt sich nicht, sagen Historiker. Jedes historische Ereignis ist singulär. Aber Geschichten – die können sich wiederholen, wie man in Berlin sehen kann.
Diese Woche stellten die Touristenwerber von Visit Berlin ihre Planungen für das nächste Jahr vor. Es sollen wieder viele Gäste in die Stadt gelockt werden.
Ein Ereignis überstrahlt dabei alles andere: Am 9. November 2014 wird sich der Fall der Mauer zum 25. Mal jähren. Das ist ein guter Anlass, an die friedliche Revolution in Deutschland zu erinnern.
Ideen hierfür gibt es schon. Der einstige Mauerverlauf, der heute aus dem Stadtbild vielerorts verschwunden ist, soll durch eine große Lichtinstallation wieder sichtbar gemacht werden. Eine Inszenierung als „Symbol der Hoffnung für eine Welt ohne Mauern“, wie es die Initiatoren ausdrücken. Sichtbar bis in den Weltraum. Tausende leuchtende und mit Helium versehene Ballons sollen den ehemaligen Mauerverlauf nachzeichnen.
Zwölf Kilometer soll diese scheinbare Grenze durch Berlin führen. Vom ehemaligen Grenzübergang in der Bornholmer Straße, an der Mauergedenkstätte Bernauer Straße vorbei, zum Reichstag, Brandenburger Tor, Checkpoint Charlie und an der Spree entlang bis hin zur Oberbaumbrücke. So soll die Dimension der einstigen Teilung noch einmal vergegenwärtigt werden. Und weil es nicht um die Teilung, sondern um die Überwindung der Teilung geht, werden an fünf Orten die Ballons in den Nachthimmel aufsteigen.
Ein wenig erinnert diese Nachzeichnung der Grenze mit anderen Mitteln an die großen Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls. Damals hatten die Organisatoren um Moritz van Dülmen die Mauer mit überdimensionalen Dominosteinen nachgezeichnet und schließlich zu Fall gebracht.
Aber nun zur Wiederholung von Geschichten. Denn damals hatte die Bundesregierung lange Zeit kein Interesse an den Berliner Feiern gezeigt. Erst kurz vor dem Jubiläum brach Hektik aus. Denn man hatte erkannt, dass die ganze Welt wieder nach Berlin schauen würde. Und so ließ es sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht nehmen, doch noch mit diversen hochrangigen Staatsgästen an der Bornholmer Brücke und am Brandenburger Tor an die Wiedervereinigung zu erinnern.
Und im nächsten Jahr? Man hat auf allen Seiten dazugelernt. Die ersten Abstimmungsrunden gab es schon. Im Januar soll es dann richtig los gehen. Also ganz wiederholt sich die Geschichte nicht. Zudem gibt es einen Vorteil für Berlin. Denn in Sachen Kultur hat man nun eine direkte Ansprechpartnerin in der neuen Regierung: Mit Monika Grütters sitzt als Kulturstaatsministerin eine Berlinerin ganz in der Nähe der Machtzentralen. Und die Christdemokratin, die sich viele Jahre für die Berliner Kultur eingesetzt und direkt am Brandenburger Tor gearbeitet hat, wird das historische Datum sicherlich zu würdigen wissen.





