Christel Pröbstls erster Gedanke ist: Hier handelt es sich um ein Missverständnis. „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen! Sie sind der 25-millionste Übernachtungsgast in Berlin“, sagt die Stimme am Telefon. „Als ich gemerkt habe, dass es tatsächlich um mich geht, habe ich mich riesig gefreut“, sagt Christel Pröbstl, 59, aus dem bayrischen Egling bei München. Und auch für Berlin ist die Nachricht positiv: Erstmals in seiner Geschichte kann die Hauptstadt mehr als 25 Millionen Übernachtungen verzeichnen. Im Zeitraum von Januar bis Oktober reisten insgesamt 9,6 Millionen Gäste an die Spree.
Donnerstagmittag, nur zwei Tage nach dem Anruf, schüttelt Christel Pröbstl lächelnd vor dem Brandenburger Tor die Hand des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD). Er begrüßt den Jubiläumsgast persönlich und überreicht Pröbstl einen Gutschein für eine weitere Berlin-Reise. „25 Millionen Übernachtungen – das ist ein neuer Rekord in der Erfolgsgeschichte des Berlin-Tourismus“, sagt Wowereit. „Hierzu tragen viele bei, sei es in den Hotels, Restaurants, Clubs, in Museen und Theatern oder bei Kongressen und Messen.“
Seit dem Jahr 1993 stieg die Zahl der Berlin-Besucher um 257 Prozent. Vor allem bei deutschen Touristen ist die Stadt beliebt – auf sie sind weit mehr als die Hälfte aller Übernachtungen zu verbuchen.
Jubiläumsgast Christel Pröbstl ist gemeinsam mit ihrem Mann nach Berlin gereist. „Wir wollen uns hier ein paar entspannte Vorweihnachtstage machen und lassen uns einfach treiben“, sagt sie. „Einziger fester Programmpunkt ist unsere Führung durch den Reichstag, da freue ich mich schon die ganze Zeit drauf.“ Die letzte Berlin-Reise des Paares liegt bereits viele Jahre zurück. Nun wollen sie sehen, wie sich die Stadt während des vergangenen Jahrzehnts entwickelt hat.
Für das gesamte Jahr erwarten die Berlin-Werber von Visit Berlin weit mehr als 26 Millionen Übernachtungen von elf Millionen Gästen – im Durchschnitt bleiben Berlin-Besucher demnach 2,4 Tage in der Stadt. Viele Touristen kommen besonders gern zu Silvester. Gezählt werden hierbei lediglich Hotelgäste. Würden auch die Übernachtungen bei Freunden und Verwandten oder in Ferienwohnungen berücksichtigt, dürfte die Zahl noch höher liegen.
Riesiger Wirtschaftsfaktor
Doch nicht nur die Deutschen besuchen gern ihre Hauptstadt, auch international ist die Stadt nach wie vor gefragt – besonders bei Engländern und Amerikanern, aber auch bei Italienern und Holländern. „Der Tourismus in Berlin ist ein riesiger Wirtschaftsfaktor. Rund 275.000 Menschen arbeiten in diesem Bereich“, sagt Wowereit am Donnerstagmittag. Durchschnittlich gibt jeder Gast täglich 204,70 Euro aus. Viele locken vor allem die Sehenswürdigkeiten der Stadt sowie das Kunst- und Kulturangebot. Auch das nächste Jahr hält eine Vielzahl an kulturellen Highlights bereit. Im Mittelpunkt steht der 25. Jahrestag des Mauerfalls. Ausstellungen werden sich dieser Thematik widmen. Höhepunkt ist eine Lichtinstallation entlang dem ehemaligen Mauerverlauf. Aus Tausenden beleuchteten Luftballons entsteht am Wochenende um den 9. November eine kilometerlange Lichtgrenze.
Im Frühjahr können sich Kunstliebhaber auf die erste Einzelausstellung des chinesischen Künstlers Ai Weiwei im Martin-Gropius-Bau freuen. Geplant ist eine große Installation im Lichthof des Gebäudes. Und dann will auch Christel Pröbstl wiederkommen.





