Auch, wenn es ein wenig verfrüht erscheint, ist jetzt der beste Moment, sich seine liebste Magnolie auszusuchen, da sie schon überall blühen. In der Knospe oder nach der Blüte ist es selbst einem Fachmann nicht möglich, die vielen neuen Sorten zu erkennen. Ich verlasse mich längst nicht mehr auf die Etiketten, denn man kann durchaus im Winter eine Pflanze erwerben, deren Label – manchmal sogar mit Bild – die gewünschte, geliebte Magnolienblüte verspricht und man erst im Frühjahr erkennt, dass sie ganz anders aussieht.
Das ist nicht nur ärgerlich, sondern auch sehr enttäuschend. Was dann? Den ganzen Aufwand und die genommene Vorfreude entschädigt einem niemand, aber ausgraben möchte man das arme Ding dann auch nicht. Also hilft nur, vorzubeugen und gleich die richtige Sorte zu erwerben und das geht nur jetzt in voller Blüte.
Für andere Gehölze gilt dies gleichermaßen. Ich würde mittlerweile wichtige Strukturpflanzen nur noch in der Blütezeit kaufen und sie erst pflanzen, nachdem sie verblüht sind, das bekommt ihnen etwas besser. Eine übrigens überholte Weisheit ist, dass Gehölze nur in der Winterpause, also ohne Blatt und Blüte verpflanzbar seien.
Kurzes Zeitfenster für wurzelnackte Ware
Auch in meiner Ausbildung wurde dies noch gelehrt, was darauf zurückzuführen ist, dass man früher noch mehr auf den Preis achtete und man daher viele Pflanzen als wurzelnackte Ware einsetzte. Bei eindeutig erkennbaren Heckenpflanzen, wie Hain- oder Rotbuchen, Liguster und Berberitzen etc., ist dies auch heute noch sinnvoll, da sie genauso schnell anwachsen wie ihre getopften Genossen, wenn nicht sogar schneller.
Im Unterschied zu Topfpflanzen kann wurzelnackte Ware oft nur innerhalb eines kurzen Zeitfensters gepflanzt werden, nämlich zwischen Blattabwurf und Frost oder zwischen Frost und Frühlingsanfang. Neben wurzelnackten und Topfpflanzen gibt es noch die Baumschulware im Ballen. Hierbei handelt es sich um Pflanzen, die – bis kurz vor dem Verkauf – im gewachsenen Boden verwurzelt waren, dann mit einem Erdballen gestochen und anschließend in ein Ballentuch gewickelt werden, damit der Erdballen nicht zerfällt.
Ich erlernte übrigens diese Ballenstechkunst vor geraumer Zeit in einer Baumschule in Hamburg, denn meine erste Lehrausbildung absolvierte ich als Baumschülerin, ein damals noch sehr ungewöhnlicher Ausbildungsberuf für Frauen.
Pflanzen aus dem Container
Doch zurück zum Thema, auch Ballenware konnte nur zu bestimmten Zeiten gepflanzt werden, die der modernen Gesellschaft im Laufe der Zeit zu kurz wurden, denn es bedeutete, dass man viele Gärten und Parks nur von November bis März bepflanzen konnte. Wenn dann auch noch drei bis vier Monate Schnee lag, war Bepflanzung ganz unmöglich.
Das konnte sich auf lange Sicht niemand leisten, und so wurden Pflanzen in Containern gezogen, damit sie zu jeder Jahreszeit gekauft und gepflanzt werden konnten. Trotzdem sollten sie nicht in einer Hitzeperiode gepflanzt und häufig durchdringend gewässert werden.
Die in Containern gezogenen Pflanzen sind jetzt meine Rettung bei der richtigen Auswahl, und mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Sorten auf dem Markt zu ergattern: z. B. Sternmagnolien wie die weißblühende Magnolia stellata „Royal Star“, die rosafarbenen Sorten „Rosea“ und „George Henry Kern“ oder die zartrosa blühende großblumige Sternmagnolie Mag. loebneri „Leonard Messel“.
Auch viele alte und neue Sorten der Tulpenmagnolie sind seit Jahren wieder sehr angesagt, wie z. B. die Magnolia soulangiana „Alba Suberba“ (weiße Blüte mit rosafarbenen Streifen), die purpurfarbenen Mag. „Susan“ und liliiflora „Nigra“ oder „Betty“ oder auch die rosafarbene „Galaxy“ und die in einem dunklen Violettweinrot blühende Magnolie „Genie“. Besonders abends verströmen sie einen wundervollen Duft. Pflanzen würde ich die Magnolie aus dem Container oder Topf erst nach der Blüte, denn sie könnten Ihnen die Verpflanzung übel nehmen und gar nicht blühen.





