Uta Keselings Gemüsegarten lieben auch die Schnecken
Der letzte Überlebende des vergangenen Sommers ist ein Rosenkohl. Er steht in unserem Garten wie ein einsamer Wächter neben den schlaffen Überresten des Mangolds und guckt sich um. Hallo? Wo sind denn alle? Bisher antworten ihm nur ein paar Schneeglöckchen und Krokusse. Und die Sonne scheint. So langsam wagt man zu glauben: Es kann wieder losgehen im Garten, auch wenn unser alter Nachbar immer gesagt hat: Erst, wenn der Weißdorn geblüht hat, wird es Sommer. Denn der Weißdorn bringt noch mal Frost! – Ein bisschen Frühling ist ja trotzdem schon. Nicht nur Vögel und Katzen sind seit Wochen ganz aufgeregt. Im Supermarkt gibt es längst Primeln. Auch die Vorfreude gehört ja zum Frühling. Und die gründliche Vorbereitung.
Denn das mit dem Rosenkohl soll sich dieses Jahr nicht wiederholen. Der Rosenkohl war ein Irrtum. Eigentlich hätte aus dem Pflänzchen, das ich im Sommer auf dem Markt gekauft hatte, ein Kohlrabi werden sollen. Im Oktober. Aber alle anderen Kohlrabi waren längst aufgegessen, als diese Pflanze immer noch wuchs und wuchs. Es kam der Herbst, es kam Schnee, es kam Weihnachten. Wir kauften Rosenkohl auf dem Markt, und erst bei einem Spaziergang durch den Garten entdeckten wir: Der „Kohlrabi“ hatte Babys bekommen. Er war ein Rosenkohl! Erkenntnis: Offenbar wurde er als Baby verwechselt. Die meisten Kohlsorten sehen sich als Setzlinge eben ziemlich ähnlich.
Dieses Jahr wird das Gemüsebeet systematischer angelegt. Denn auch bei den Bohnen gab es Überraschungen. Erstmals hatte ich Stangenbohnen angepflanzt, nicht ahnend, was auf uns zukommen würde. Von einem Tag zum anderen hingen plötzlich ganze Bohnenzöpfe daran. Dank dem Internet kenne ich jetzt viele neue Bohnenrezepte.
Aber dieses Jahr werde ich weniger aussäen – und dafür mehr von einer besonderen Sorte, deren Schoten lila sind und sich beim Kochen grün färben. Zauberbohnen! Die Sorte trägt den kitschig-schönen Namen „Blauhilde“.
Wenn Uta Keselings Garten erblüht, sieht das wirklich prächtig aus
Vielleicht wird sie ja nach Öko-Kürbis und Bio-Pastinake das nächste Modegemüse an geblümten Orten wie Prenzlauer Berg. Noch aber ist sie mein Geheimnis.
Mit unserer Kartoffelsorte ist dasselbe schon längst passiert. Linda, gern auch „Bio-Linda“, war eine Weile vom Aussterben bedroht – eine festkochende Sorte, die einfach besonders gut schmeckt. Nicht natürliche Feinde bedrohten sie, sondern die Kartoffel-Industrie, die für jede Sorte eine Patent vergibt. Läuft dieses aus, darf die Sorte nicht mehr als Saatgut verkauft werden. Ein Biobauer aus der Lüneburger Heide wurde zu einer Art Kartoffel-Held, weil er zuletzt fast als Einziger die gute Sorte noch als Saatgut anbot.
Inzwischen ist „Linda“ wieder legal und in jedem Biosupermarkt erhältlich. Wir werden dieses Jahr den fünften „Nachbau“ unter die Erde bringen – also die Kartoffeln als Setzgut weiterverwenden, die von der letzten Ernte übrig sind. Die ersten haben schon die „Augen“ geöffnet.
Nur in einer Sache weiß ich keinen Rat. Was, wenn es dieses Jahr wieder eine solche Schnecken-Invasion gibt wie im vergangenen? Die braune Nacktschnecke, angeblich aus Spanien eingewandert, hat unsere Beete zwischenzeitlich in Wüsten verwandelt. Dass Schnecken Salat mögen, weiß man ja und auch, dass man Erdbeeren vor ihnen schützen muss. Im letzten Sommer fielen sie selbst über Zwiebeln, Tomaten- und Kartoffelpflanzen her.
In früheren Jahren hatte es gereicht, die Schnecken abzusammeln. Da die meisten Weinbergschnecken waren, war das auch nicht besonders ekelhaft. Die Nacktschnecken dagegen mag man eigentlich nur mit Handschuhen anfassen. Und selbst, wenn man sie eimerweise aus dem Garten schafft – schon am selben Abend kriechen neue Scharen aus der Erde.
Was tun? Wie giftig ist Bio-Schneckenkorn? Welche Nebenwirkungen kann es haben? Und wie oft kann man es anwenden?
Regina Köhler plant ihren Sommer im Garten auf dem Dorf
Unter dem alten Süßkirschbaum, der hinter unserer Scheune am Feldrand steht, blühen die Schneeglöckchen. Ein Zeichen dafür, dass es bald Frühling wird. Mich macht das kribbelig. Ich würde am liebsten das Laub von den Beeten harken und irgendetwas einpflanzen. Doch ich beherrsche mich. Im vergangenen Jahr hatten wir Ende März plötzlich Frost und Schnee. Das ging bis in die erste Aprilwoche. Viele Knospen, die sich bereits herausgewagt hatten, sind damals erfroren.
Zugegeben, ich hatte das alles längst vergessen. Der wunderbare Sommer hat wohl dafür gesorgt, dass mir das kalte Frühjahr nicht in Erinnerung blieb. Erst als ich kürzlich in meinen Aufzeichnungen kramte, las ich wieder vom Frost im April. Ich habe mir deshalb vorgenommen, dieses Mal nicht zu früh mit der Gartenarbeit zu beginnen. Wenn Zeit ist, sitze ich jetzt also lieber in der Sonne, warte ab und versuche mich daran zu erinnern, was ich mir im Herbst alles vorgenommen hatte in Sachen Garten.
Leider habe ich mir wieder nichts davon aufgeschrieben. Ein Rundgang durch Hof und Garten soll helfen. Als Erstes entdecke ich meine weiße Rose, eine Wildform, die im Juli zu blühen anfängt. Vor fünf Jahren hatte ich sie auf die Wiese hinters Haus gepflanzt, zusammen mit zwei anderen Rosen und einem Sommerflieder. Zunächst ist sie schnell gewachsen: Anderthalb Meter hoch und mehr als einen Meter breit ist sie geworden, bis plötzlich einige dicke Äste verdorrten. Inzwischen ist nur noch ein Viertel der Pflanze übrig.
Für mich ein Rätsel, da es der schönen Weißen weder an Wasser noch an Licht gefehlt hat. Die einzige Erklärung könnte ein Loch im Wurzelbereich sein, das ich letzten Sommer entdeckt habe. Wahrscheinlich von einer Wühlmaus gegraben. Die fressen ja gern die Wurzeln verschiedener Pflanzen. Ich bin unschlüssig. Soll ich eine neue Pflanze einsetzen oder einfach abwarten und hoffen, dass die Rose sich wieder berappelt? Und wie kriege ich die Wühlmaus aus dem Garten, wenn es denn eine ist?
Während ich darüber nachdenke, bleibt mein Blick an der Hecke hängen, die den Vorgarten zur Straße hin abgrenzt: Schneebeere, Flieder, Holunder und wilde Stachelbeere. Die Hecke ist riesig geworden, weil ich sie im vergangenen Jahr zu schneiden vergaß. Dafür hat endlich mal der Flieder geblüht. Ich wusste gar nicht, dass er so wunderbar weiß ist. Das hätte ich in diesem Frühjahr gerne wieder. Gleichzeitig ist mir klar, dass ich mit der Schere ran muss, weil die Hecke sonst zwar weiter nach oben wächst, aber immer struppiger wird. Mir fällt der Lieblingsspruch meiner Mutter ein, die immer sagt, dass ein guter Gärtner unbedingt eine Schere haben muss und diese auch einsetzen sollte. Also runter mit der Hecke. Aber erst dann, wenn der Flieder verblüht ist, notiere ich in Gedanken.
Im Vorgarten ergeben sich noch andere Fragen. Wo wollte ich noch Phlox nachsetzen, im Buchsbaum-Rondell oder im Beet vor der Hecke? Außerdem fällt mir ein, dass ich Salbei nachpflanzen sollte. Eine große Pflanze ist mir im vergangenen Winter erfroren. Und der falsche Jasmin, kann ich den jetzt noch zurückschneiden? Auf seine Blüten kann ich nicht verzichten, kein Juni ohne diesen wild-süßen Duft, der den Garten meiner Kindheit prägte.
Plötzlich ist die Sehnsucht da nach den Gerüchen und den Farben von Frühling und Sommer, nach all den Blüten, die mein Garten wieder haben wird. Angefangen vom Tränenden Herz über Rosen und Frauenmantel bis hin zum Phlox, den Stockrosen und dem Gartenehrenpreis.
Bleibt zum Schluss eine wichtige Frage: Wie kann ich den Maulwurf überzeugen, wieder aus unserem Garten zu verschwinden? Jahrelang war er nur kurz zu Gast, bis er sich im vergangenen Winter häuslich niederließ, und das mit wachsender Begeisterung. Die große Wiese auf dem Hof hat er inzwischen fast vollständig umgepflügt.
Annette Kuhn ist in Aufbruchstimmung – wie ihr Garten
Die allerersten Frühlingsboten sind immer gewöhnungsbedürftig, und in diesem Jahr sind sie besonders zeitig unterwegs. Sie zwitschern mich schon gegen fünf Uhr lautstark aus dem Schlaf. In ein paar Tagen werde ich mich an sie gewöhnt haben, und dann bin ich hoffentlich auch wieder morgens wach genug, um die vielen weiteren Frühlingsboten zu erkennen, die sich im Garten zeigen. Im Vorgarten haben sich die ersten Narzissen aus dem Rasen geschoben, an den Hortensien zeigt sich zartes Grün, und die Rhododendronbüsche scheinen nur darauf zu warten, ihre vollen Knospen aufbrechen zu lassen. Aber ein bisschen Zeit werden sie sich wohl noch lassen.
Ich sollte es sicher auch so halten. Aber dann liegt plötzlich doch die Gartenschere in meiner Hand und ich schnibbel hier und schnibbel dort. Verwelktes mag ich nicht mehr sehen, das Laub aus dem vergangenen Jahr schon gar nicht. In der Luft liegt Aufbruchstimmung, ich sehne mich nach saftigem Grün, nach bunten Blumen.
Dann steh ich vor unserem Rosenbusch, deren Zweige schon wieder gewaltig in die Höhe geschossen sind. Ich drehe die Schere in meiner Hand. Soll ich oder ist es noch zu früh? Eigentlich müsste ich es doch wissen, immerhin begleitet uns der Rosenbusch bereits seit Jahren und setzt im Sommer einen wunderschönen Farbklecks. In strahlendem Pink blühen die Rosen, und das gleich wochenlang. Dabei legen sie einen betörenden Duft über den Garten. Ich freue mich schon darauf, im Gartenstuhl neben dem Strauch zu sitzen und ein Buch zu lesen. So richtig gut klappt das häufig nicht, weil mein Blick viel zu oft von den Buchstaben zur Blütenpracht schwenkt.
Wann müssen Rosen zurückgeschnitten werden und was brauchen sie außerdem jetzt, im Frühling?
Anette Nayhauß freut sich über jeden Grashalm
Drei fußballbegeisterte Söhne. Die Familie, von der wir das kleine Haus übernahmen, hatte lange versucht, aus der Sandwüste im Garten eine Rasenfläche zu machen. Aber beim Ballspielen traten die drei Jungs alle Versuche, Gras auszusäen, platt. Vor zwölf Jahren zogen sie aus. Seitdem kämpfen wir um jeden Grashalm und gegen das Moos.
Leicht macht es uns der Garten nicht: Sechs alte Eichen auf 500 Quadratmetern, da kommt nicht viel Licht auf den Boden. Der erste Versuch mit ein paar Tüten Gartenerde und Rasensamen vom Discounter brachte uns viele dankbare Vögel und einige müde Grashalme, die einem jeden Schritt in den Garten übel nahmen. Im Jahr darauf rüsteten wir auf: Trittfester Schattenrasen aus dem Gartencenter. Vertikutierer. Bodenverbesserer. Und Dünger. Ich war überrascht, wie viel Geld man für Rasen ausgeben kann.
Die Nachbarn rieten ab: „Wir haben schönes Moos, ist auch grün“, sagte der Familienvater von nebenan. Aber uns hatte der Ehrgeiz gepackt, geradezu verbissen vertikutierten und düngten wir, säten und wässerten. Und fragten uns, wann genau wir zum Rasenspießer geworden waren. Andererseits: Im Sommer dem Schattenspiel der Eichenblätter auf dem hellgrünen Rasen zuzusehen, hat geradezu etwas Magisches.
Inzwischen gucke ich dabei allerdings immer häufiger auf Klee, Moos und jede Menge anderes Grünzeug, dessen Namen ich nicht einmal kenne. Man müsste mal wieder vertikutieren. Nachsäen. Düngen. Ich muss oft an unseren längst weggezogenen Nachbarn denken: Moos ist eigentlich wirklich schön grün.
Oder gibt es etwas, das zuverlässig gegen Unkraut und Moos im Rasen hilft?
Leseraktion
Rufen Sie an und fragen Sie die Gartenbauingenieurin und Landschaftsarchitektin, warum Ihr Rhododendron nicht blüht, was Sie gegen Schnecken tun können und wann Sie Ihre Rosen schneiden sollten. Welche Blumen blühen auch im Schatten, welcher Kletterer eignet sich, um einen Zaun zu begrünen, und wie blüht die Hortensie besonders üppig?
Wenn Sie Gabriella Pape eine Frage stellen wollen, rufen Sie am Freitag zwischen 14 und 15 Uhr unter dieser Telefonnummer an:030 – 88007875. Oder schreiben Sie eine E-Mail an berlin@morgenpost.de


