Ungern würde ich von einem Trend sprechen, doch zumindest von einer neuen Tendenz. Denn Gemüse auf dem Balkon oder in Terrassentöpfen zu ziehen, ist endlich auch bei uns sehr angesagt. Sehr bekannt und unbedingt sehenswert sind dafür die Kisten- und Kastengemüseanlagen in den Prinzessinnengärten am Moritzplatz mitten in Berlin. Dort macht man seit Jahren das, was jeder von Ihnen auch auf dem Balkon oder auf der Terrasse machen kann: Gemüse anziehen. Erstens funktioniert das tatsächlich, zweitens ist es sehr praktisch, weil man für die Ernte nicht weit laufen muss, und drittens hat es einen erstaunlichen Unterhaltungswert. Natürlich gibt es auch Einschränkungen, denn es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass das auf dem Balkon gezogene Gemüse ausreicht, um Sie zum Selbstversorger zu machen. Doch es ist genial, ab und an etwas ungewöhnliches Frisches vom Balkon zu ernten.

Natürlich witterten gerade die Engländer hier auch schon vor vielen Jahren ein Geschäft, denn ihnen war sofort klar, dass sich nicht alle Gemüsesorten für die Anzucht im Kasten eignen. Deshalb hat der berühmte Samenproduzent Thompson & Morgan bereits vor sechs Jahren eine ‚City Garden‘ Saatkollektion erarbeitet, die ausschließlich Saat für Balkonkästen und Tröge umfasst. Bei vielen Sorten handelt es sich um besonders kompakte Formen, die auch mit geringerer Bodentiefe und weniger regelmäßiger Wasserzufuhr noch gedeihen. Denn anders als im Beet bekommt Gemüse auf dem Balkon nicht unbedingt Regenwasser ab.

Da die Flächen auf dem Balkon limitiert sind, empfiehlt es sich, vor allem viele Mischungen auszusäen. So gibt es von City Garden beispielsweise mehrere tolle Salatmischungen, wie Baby Leaf Schnittsalat mit goldenem Pak Choi, Komatsuna und Mizuna Red Knight. Es gibt sogar zwei orientalische Mischungen, die über sieben Sorten Salat in der Tüte haben. Was meinen Sie, wie Ihre Gäste staunen werden, wenn Sie statt Geranienblüten Salat vom Balkon holen!

Jetzt ist auch die richtige Zeit, einige dieser Sorten in den Balkonkasten zu säen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sie auf der Fensterbank im kleinen Frühbeetkasten vorziehen. Das hat den Vorzug, dass die Pflanzen kräftiger sind und nicht einem eventuellen Spätfrost zum Opfer fallen.

Nicht nur Salat wächst auf dem Balkon, sondern auch kompakte lila Bohnenbüsche eignen sich genial für den Topf; diese werden jedoch erst ab April gesät. Anders ist es bei Petersilie, Roter Bete, Zwiebeln oder gar Grünkohl, denn sie brauchen eine ganze Weile zum Auflaufen – so nennt man das Erscheinen der ersten Blätter im Fachjargon – und müssen im März ausgesät werden.

Vielen normalen Gemüse- und Kräutersorten gefällt es auf dem Balkon nicht, weil es dort windiger ist. Deshalb versuchen Sie bitte immer, kompaktere Formen zu bekommen. Das gilt vor allem für empfindliches Gemüse wie Tomaten oder Gurken, die neben viel Sonne und möglichst keinem Regen einen windgeschützten Platz wollen.

Wer nicht so geduldig ist, sollte mit Rucola oder Radieschen anfangen, sie laufen schnell auf und können dann auch bald gegessen werden. Natürlich gibt man sich auch da nicht mehr mit den roten, runden Radieschen zufrieden, sondern sollte auf einer bunten Mischung aus vielen Farben, Formen und Geschmacksrichtungen bestehen, Regenbogen-Radieschen eben.

Wer auch im Winter etwas fürs Auge und zum Beeindrucken der Nachbarn haben möchte, sollte jetzt im März einmal den lila Grünkohl ‚Scarlet’ in den Topf aussäen. Er sieht von Oktober bis zur Ernte im Januar/Februar sehr dekorativ aus und schmeckt auch. Leider verliert er beim Kochen, wie übrigens die lila Bohnen auch, seine Farbe.