Genau dieses Wetter habe ich mir für diese Jahreszeit gewünscht, denn so fallen nicht – wie im letzten Jahr – alle Arbeiten auf einmal im April an. Jetzt können Sie ganz in Ruhe die noch verbliebenen Stauden herunter schneiden, alles liebevoll klein schnippeln und auf den Kompost geben. Den fertigen Kompost unbedingt jetzt auf die Beete verteilen, jedes Beet verträgt eine dicke Schicht von drei bis sechs Zentimetern. Falls Sie nicht genug haben, bedecken Sie lieber nur ein Beet mit einer satten Kompostschicht und die anderen dann in den Folgejahren, statt alle nur mit einer Prise zu beglücken.
Von zwei beliebten Aktivitäten im Garten würde ich momentan noch abraten: zum einen, den Rasen zu vertikutieren, denn dafür reicht definitiv das Tageslicht noch nicht aus. Nach Frühlingsbeginn am 20. März kann sich der Rasen schnell und effizient von der Tortur des Vertikutierens erholen; jetzt würde er diese nur schwerlich überleben, es sei denn, Sie haben einen richtigen Rasen und keine Moosmatte, wie die meisten Menschen in Berlin/Brandenburg. Die zweite Sache, von der ich noch die Finger lassen würde, sind die Beetrosen, und zwar besonders die englischen und französischen Strauchrosen in den Rabatten. Die Kletter- und Wildrosen können jetzt ruhig schon geschnitten werden, sie halten mehr aus, auch wenn noch ein Kälteeinbruch erfolgen sollte. Denken Sie daran, die in den Kletter- und Ramblerrosen hochgerankten Clematis viticella ganz aus den Fängen der Rose zu befreien und etwa zehn Zentimeter über dem Boden abzuschneiden. Das fällt jetzt, wo noch keine Knospen sichtbar sind, wesentlich leichter als in ein paar Wochen. Und keine Sorge, die Clematis wird die Rose wieder erklimmen.
Offene Böden trocknen sehr leicht aus
Rosen unter einem Dachüberstand sollten ab jetzt unbedingt gegossen werden, da es in den letzten Wochen recht mild war und geschützt stehende Rosen dies besonders übel nehmen. Ich habe in dieser Woche sogar begonnen, meinen Buchsersatz, die kleinblättrigen Stechpalmen Ilex crenata, und alle anderen Immergrünen zu wässern, weil sie trotz mangelndem Niederschlag schon aktiv Photosynthese betreiben. Interessant ist, dass vor allem offene, also nicht bepflanzte, Böden sehr leicht austrocknen, und ein guter Bodendecker kann dem stark entgegenwirken. Die Bezeichnung Bodendecker hat in den 70er-Jahren sehr gelitten, als ganze Vorgärten unter Kriechwacholder oder Cotoneaster (Zwergmispeln) versteckt wurden, weil man begriffen hatte, dass sich die Bedeckung des Bodens – womit auch immer – positiv auswirkte. Dass daraufhin Tausende von Gärten Autobahnbegrünungen glichen, traute sich damals leider niemand zu sagen.
Für schwierige, schattige oder trockene Stellen im Garten lege ich Ihnen eine kleine, dauerhafte und sogar preisgünstige Staude ans Herz, die sich ganz vergnügt an fast alle Situationen anpasst: die Golderdbeere (Waldsteinia). Bitte nicht gleich zu euphorisch werden, denn die kleinen aus Europa, Asien und Nordamerika stammenden Pflänzchen produzieren keine essbaren, goldenen Erdbeeren, mit viel Fantasie sehen die abgeblühten Blüten jedoch einer Erdbeere ähnlich. Wie bei allen Pflanzengattungen hat auch diese die irritierende Angewohnheit, mehrere Arten zu produzieren. Ich würde Ihnen aber nur die zwei wichtigsten empfehlen: Waldsteinia ternata und W. geoides. Um in den Genuss eines schön geschlossenen gelben Teppichs im Garten zu kommen, sollten Sie die Sorte W. ternata ssp. trifolia ,Kornstadt’ probieren, allerdings ist sie nicht ganz leicht zu bekommen, wie alles Schönere. Das Foersterkompendium empfiehlt zwölf bis 15 Pflanzen pro Quadratmeter zu setzen, um schnell eine geschlossene Decke zu bekommen. Probieren Sie es einmal aus, denn bald gibt es wieder Stauden bei ihrem Gärtner.
Nächste Woche dann wirklich mehr über Gemüseneuheiten, auch für den Balkon.





