Es mag manchem etwas merkwürdig vorkommen, dass ich mitten im Winter über Gräser schreibe, doch wer Vertreter schöner ornamentaler Sorten im Garten hat, weiß ihren Wert im Beet zu schätzen. Gerade in den schneearmen Wintern kommen Gräser an kalten, klirrenden Frosttagen besonders gut zur Geltung, und wenn dann die Abendsonne die Halme noch förmlich in Flammen aufgehen lässt, ist das Winterbild perfekt.
Das erschwert oft zu entscheiden, wann eigentlich die beste Zeit für die Teilung oder Vermehrung dieser Pflanzen ist, um sie zum Beispiel mit den Nachbarn zu teilen. Wie viele schon beobachtet haben werden, bilden einige Gräser dichte, feste Horste, die oft überwältigend groß werden. Da es für Gräser nur zwei Vermehrungszeiträume gibt, ist es wichtig zu wissen, zu welchem Gräsertyp ein Gras gehört.
Man unterscheidet früh grünende und spät grünende Gräser. Früh grünende Gräser kommen entweder schon grün durch den Winter, wie Luzula und viele Carex- und Festuca-Sorten, oder produzieren schon im März/April grüne Halme, dazu gehören Calamagrostis, Stipa, Deschampsia oder Helictotrichon, um nur die wichtigsten zu nennen. Sie alle können oder sollten jetzt geteilt werden, wenn der Boden schon offen ist, die Temperaturen aber noch niedrig sind. Zerlegt werden die Gräser dann am besten, indem die gesamte Mutterpflanze aus der Erde gehoben wird.
Bei großen Pflanzen empfiehlt sich, Halme und Gräser bis auf eine Höhe von zehn oder 20 cm zurück zu schneiden, um den Umgang mit dem struppigen Genossen zu vereinfachen. Ich schneide auch die Wurzeln fast völlig ab, da die neuen Büschel in den ersten Wochen keine Wurzeln brauchen und diese Vorgehensweise für starken Wurzelneuwuchs sorgt.
Lieber nicht zu viel verschenken
Kräftige Pflanzen teilt man am besten mit zwei Grabegabeln, nachdem man die Erde ordentlich aus dem Wurzelballen geschüttelt hat. Die Grabegabeln dann Rücken an Rücken in den Ballen stechen, wenn nötig mit roher Gewalt, und die Gabeln gegeneinander hin- und herschaukeln. Es ist schwer zu beschreiben, probieren Sie es einfach aus und Sie werden sofort verstehen, was ich meine.
Die neu erlangten Teilstücke müssen dann sofort wieder in den Boden gesetzt werden, daher wäre es gut, wenn Sie sich vorher schon überlegt hätten, wo die neuen Gräser im Garten eingepflanzt werden sollen, oder welche Nachbarn sie mit den Dingern beglücken wollen. Die Teilstücke sollten so tief eingesetzt werden, dass man nach dem Andrücken das Gefühl hat, dass sie sich nicht beim nächsten Gewitter aus dem Boden lösen und wegfliegen. Daher gern etwas tiefer setzen.
Diese erste Gruppe der Gräser kann auch im Herbst, ab September, geteilt und verpflanzt werden, jedoch nicht im Sommer, wie die zweite Gräsergruppe. Bei ihnen handelt es sich um die spät grünenden Gräser, die meist auch aus wärmeren Regionen der Erde stammen. Zu ihnen gehören beispielsweise Miscanthus, Pennisetum, Panicum, Hakonechloa und mein heißgeliebtes Pfeifengras, die Molinia. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie frühestens im Hochsommer, meist aber erst im Herbst blühen.
Da diese Sorten eine Frühsommerteilung bevorzugen, ist bei der Teilung sehr achtsam vorzugehen. Hier sollten die Teilstücke nicht zu klein gehalten werden und es ist noch entscheidender, dass die Jungpflanzen sofort wieder in den Boden kommen, vor allem wenn es im April und Mai sehr heiß ist, was in Berlin öfters vorkommt. Unbedingt anwässern und regelmäßig nachwässern, dann hat die neue Pflanze bereits nach zwei bis drei Wochen neue Wurzeln gebildet.
Verschenken Sie nicht zu viele dieser Teilstücke auf einmal, legen Sie sich ruhig eine Reserve an, denn nicht jede Teilpflanze wächst auch erfolgreich an. Wer sich an die Teilung von Chinaschilf wagen möchte, sollte sich mit einer Axt ans Werk machen, denn hier kann eine Grabegabel kaum etwas ausrichten, dies gilt auch für das Lampenputzergras (Pennisetum).





