Wer sich für dieses Jahr vorgenommen hat, einmal selbst sein Glück mit der Pflanzenanzucht aus Samen zu versuchen, sollte sich jetzt in die Startlöcher begeben, denn viele Gartenblumen beginnen ihr Dasein jetzt auf der Fensterbank oder im Gewächshaus. Mir ist klar, dass die meisten von Ihnen kein Gewächshaus besitzen und wahrscheinlich auch gar keines wollen und das ist auch völlig legitim.

Es bedeutet, dass für Sie die Ansaat nicht im Februar, sondern erst im März zu tätigen ist. Dies liegt daran, dass die Fensterbank, und sei sie noch so sehr nach Süden ausgerichtet, einfach nicht genug Licht für die kleinen Sämlinge zu bieten hätte. Gewächshaus hin oder her, jeder sollte es einmal probieren, denn der grüne Daumen ist ein Hirngespinst der grünen Branche.

Sorgen Sie bei Ihrem ersten Versuch für gute und faire Voraussetzungen, dazu gehört vor allem frische Aussaaterde; bitte verwenden Sie nicht die noch im Keller lagernden Restbestände, von denen Ihr Mann vielleicht behauptet, dass daran wohl nichts schlecht werden könne. Gönnen Sie sich Aussaaterde, die sterilisiert ist und somit keine Krankheitskeime birgt, so dass die kleinen, labilen Sämlinge den besten Start ins Leben bekommen.

Nehmen Sie saubere Plastikschalen oder einzelne Töpfe und befolgen Sie die Anweisungen auf den Packungsbeilagen, denn jede Art hat ihre Eigenschaften, auf die ich an dieser Stelle nicht näher eingehen kann. Sollten Sie unsicher sein, fragen Sie bitte in der Gärtnerei nach, in der Sie die Saat einkaufen, oder fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker, der freut sich bestimmt.

Tauschhandel mit Freunden

In den letzten Jahren ist ein richtiger Trend zur Eigensaat entstanden, vor allem bei Pflanzen, die nur sehr selten im Handel erhältlich sind oder die man selbst geerntet hat. Da ist zuerst einmal das in den letzten Jahren sehr beliebt gewordene Patagonische Eisenkraut (Verbena bonariensis), das sich in manchen warmen Wintern großzügig im Garten von ganz allein aussamt.

In manchen Jahren wiederum stirbt die Mutterpflanze samt Sämlingen. Mit anderen Worten, diese Pflanze ist ganz einfach unbeständig, was sie schon fast wieder menschlich macht und das gefällt mir. Wer dieser Willkür ein Ende setzen möchte, sollte sich jetzt die Saat besorgen und im Topf aussäen; einige gut sortierte Sämereien führen auch Seltenheiten. Es lohnt sich übrigens über die Jahre die Saat selbst zu sammeln, um irgendwann mit Freunden einen regen Handel seltener Saat zu betreiben, Sie werden unerwartete Freundschaften schließen.

Zarte Veilchen, aufdringliche Stiefmütterchen

Andere Blumen, die jetzt, spätestens aber im März ausgesät werden möchten, sind Hornveilchen (Viola cornuta), Kapuzinerkresse, Löwenmäulchen, Männertreu, Muskatellersalbei, Cosmeen, die Schwarzäugige Susanne, Sonnenhut, Spinnenblumen und Verbenen. Nur für Vergissmeinnicht ist es jetzt zu spät, sie fangen in Bälde an zu blühen und werden erst nach der Blütezeit wieder ausgesät.

Bei den Veilchen kommt es immer wieder zu Missverständnissen. Wenn ich von Veilchen spreche, meine ich nur die kleinen zarten Horn- oder Duftveilchen (Viola odorate), die sich beide durch zierliche kleine, duftende Blüten auszeichnen, deren Durchmesser nicht größer als zwei bis vier Zentimeter betragen.

Die großblütigen Züchtungen, also Hybriden aus allen möglichen Kreuzungen, sogenannte Gartenstiefmütterchen, meine ich damit nicht. Sie sind mir etwas zu laut und zu aufdringlich, zumal sie auch gar nicht duften. Im Gegensatz zu den echten Veilchen sind sie auch nicht wirklich mehrjährig, oder, wie in Wikipedia beschrieben: „Sie sind nach wenigen Jahren formlos bis unansehnlich“.

Also versuchen Sie es ruhig einmal mit den Hornveilchen, denn wenn man sie regelmäßig auszupft, blühen und duften sie bis in den Spätsommer. Nächste Woche mehr über Gemüsesorten, die jetzt an der Reihe sind, darunter auch Neuheiten für den Balkon.