Jetzt kam der Winter doch noch zu uns. Vielen Gärtnern und Gartenliebhabern blieb wohl ein wenig das Herz stehen, als die Temperaturen fielen und die ersten Zwiebeln im Frost erstarrten, die schon mutig begonnen hatten, ihre Köpfchen herauszurecken und uns mit den ersten zaghaften Blüten den Vorfrühling erahnen ließen. Zum Glück kam zu den frostigen Temperaturen noch Schnee, sodass alles in zauberhaftem Weiß versank. Viele werden sich sicher fragen, wie die kleinen Kerlchen das verkraften.
Zwiebelgewächse sind zäh
Zu Ihrer Beruhigung kann ich sagen, dass die meisten der besonders früh blühenden Zwiebelgewächse nicht nur schön, sondern auch zäh sind. Dazu zählen auch die Winterlinge, deren Erscheinen im Februar unbeschreibliche Freude auslöst. Auch die Schneeglöckchen und die ersten Krokusse sind Frühaufsteher. Aufgrund ihres Lebenszyklus’ sind sie dazu in der Lage, sich in Schnee und Kälte zu behaupten. Werden die Zwiebeln und Knollen also rechtzeitig im Herbst gepflanzt, auch wenn sie dann wie leblose Knuddel aussehen, beginnen sie Wurzeln zu entwickeln.
Man könnte annehmen, sie verschliefen den Winter, sie sind jedoch in dieser Zeit bereit, die im Sommer gespeicherte Energie in Blatt- und Blütenanlagen freizusetzen, und sprießen dann durchaus schon bis dicht unter die Erdoberfläche. Auch wenn noch kein Frost herrscht, stellen sowohl Zwiebeln als auch Knollen ihr Wachstum ein, sobald die Temperaturen einen bestimmten Wert unterschreiten. Bei den Aufräumarbeiten im Staudenbeet Anfang Januar stolpert man dann regelrecht über sie.
Es kann aber auch vorkommen, dass sich Zwiebeln und Knollen durch eine warme Zwischenperiode dazu verleiten lassen, schon auszutreiben. Sobald es aber wieder kälter wird, hören sie erneut auf zu wachsen und nehmen auf diese Weise kaum Schaden. Wird es dann wieder wärmer, beginnt das Spiel von Neuem. Nicht nur bereits ausgetriebene Blumenzwiebeln müssen sich mit dem Wintereinbruch auseinandersetzen, den ersten blühenden Sträuchern geht es nicht anders. Auch sie versuchen ihre Blüten zu schützen.
Blüten öffnen sich wie von Zauberhand
Ganz raffiniert geht dabei die Zaubernuss (Hamamelis) vor, indem sie ihre Blüten bei Frost förmlich zusammenrollt und ihren betörenden Duft unter einem Eispanzer oder einer Schneehaube versteckt. Sobald es wärmer wird, öffnen sich die Blüten wie von Zauberhand. So schafft sie es, wie im vergangenen Winter, über viele Wochen zu blühen. Zu diesen Winterüberlebenskünstlern gehören auch der Winterschneeball (Viburnum x bodnantense) und der Winterjasmin (Jasmin nudiflorum).
Wer voller Ungeduld das Frühjahr herbeisehnt, sollte sich die Wartezeit mit im Topf vorgetriebenen Blumenzwiebeln verkürzen. Dazu eignen sich die schon erwähnten kräftig gelb blühenden Winterlinge (Eranthis hyemalis), natürlich auch die Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) sowie die weiß und blau blühenden Traubenhyazinthen (Muscari armeniacum), die leicht zu kultivieren sind. Zu den Vorfrühlingsboten zählen auch die ersten Narzissen mit der blütenreichen Sorte „Tête à Tête“ und der stark duftenden „Ziva“.
Der Frühling kommt auf jeden Fall wieder
Letztere braucht – im Gegensatz zu anderen Sorten – keine Kühlperiode zum Blühen, da sie aus Regionen stammt, in denen die Winter zwar frostfrei, aber kühl genug verlaufen, um eine Ruhepause zu ermöglichen. Damit Sie nicht auf den Frühjahrsduft verzichten müssen, empfehle ich, Primeln zu Hause auf den Tisch zu stellen. So lässt sich der Winter ertragen.
Auch wenn die Blumen auf der Fensterbank noch so schön blühen, warte ich voller Ungeduld auf die ersten Zwiebeln, die wieder ihren ganzen Mut zusammennehmen, um stolz ihre Nasen durch den Schnee zu stoßen. Sie zeigen uns, dass der Frühling in jedem Fall wieder kommen wird, der momentanen Witterung zum Trotz.





