Die Birke ist in den letzten Jahren leider arg in Verruf geraten, weil immer mehr Allergiker den Birkenpollen die Schuld für ihre Schleimhautentzündung geben. Dabei könnte man diesem Drama ohne Weiteres entgegenwirken, indem man in den wenigen Wochen des Pollenfluges auf bestimmte Obst- und eventuell Gemüsesorten verzichtet. Bei der Birkenpollenallergie, zu deren Auslösern auch die Haselnuss gehört, handelt es sich um eine Kreuzallergie, das heißt es gibt Menschen, die auf Birkenpollen allergisch reagieren, wenn sie in der Pollenflugzeit Kern- oder Steinobst essen. Solche natürlichen Zusammenhänge faszinieren mich, denn während der Pollenflugzeit ist für Kernobst bei uns keine Saison. Mit anderen Worten kann unser Organismus mit der Globalisierung noch nicht so recht mithalten, denn vor 70 bis 100 Jahren gab es im Mai, also in der Zeit des Pollenfluges, weder Kern- noch Steinobst zu kaufen, somit waren auch derartige Allergien wesentlich weniger bekannt.

Dies soll nun kein Vortrag über Allergien werden, doch da ich mich für die Birke stark machen möchte, könnte diese Information dazu beitragen, dass Sie sich vielleicht diesen schönen Baum doch noch in den Garten holen. Birken sind nicht nur äußerst pflegeleicht und winterhart, sondern sie lieben auch den Boden unserer Region, da sie zu den Pioniergehölzen gehören. Diese sympathisch klingende Bezeichnung verdanken sie nicht nur ihrer Fähigkeit, in der preußischen Sandbüchse gut zu wachsen, sondern auch der Gabe, sich an neue, vegetationsfreie Habitate anzupassen. Diese Fähigkeit lässt sich vor allem auf das flache, sich schnell an der Oberfläche ausbreitende Wurzelnetzwerk der Birke zurückführen.

Zuschneiden nur im Sommer

Dieses Wurzelnetzwerk ist für die Anpflanzung von Stauden schwierig, daher eignet sich die Birke besonders gut zur Naturalisierung in Wildwiesen mit vielen Zwiebelpflanzen. Besonders in der Winterzeit genieße ich die leuchtend weißen und teils sogar rosafarbenen Stämme der Birkensorten. In den meisten Gärten der Stadt sehe ich das Urgewächs, die Hänge- oder Sandbirke (Betula pendula), die sehr schnell wächst und leider auch sehr groß wird, was in den meisten Gärten dazu führt, dass sie auf grausamste Weise beschnitten wird.

Apropos schneiden: Wer vorhat, seine Birke in größerem Ausmaß zu beschneiden, sollte dies zum Wohle der Birke vornehmen, wenn sie Blätter trägt und nicht im Winter. Denn vor allem bei Frost beginnt die Birke, an den Schnittstellen stark auszubluten, und dieser süße Baumsaft hinterlässt unansehnliche Schmierstreifen auf der weißen Rinde. Wobei ich beim eigentlichen Thema für diese Jahreszeit angelangt bin, dem Waschen der weißen Rinde. Wer in den vollen Genuss der weißen Rinde seiner Birke kommen möchte, sollte einmal die Algen und den Stadtruß mit warmen Wasser und einem Tuch von der Rinde waschen. Sie werden staunen, wie die Stämme dann leuchten. Sollten Sie sich Sorgen machen, was dann die Nachbarn denken könnten, wäre diese Aktion auch gut nachts durchführbar, die Stämme sind ja leicht zu finden.

Wen ich davon überzeugen konnte, vielleicht doch noch die Pflanzung einer Birke in Betracht zu ziehen, sollte sich in einer Baumschule folgende, wesentlich kleinwüchsigere Birkensorten ansehen: Die Rote China-Birke (Betula albosinensis) wächst langsam und wird nur sechs bis acht Meter hoch; ihre glänzende Rinde changiert zwischen Rosa und Kupfer, je nach Jahreszeit. Wer Weiß vorzieht, könnte an der Papierbirke (B. papyrifera) Gefallen finden, sie wird zwar stolze 20 Meter hoch, hat dafür aber papierweiße Rinde. Wenn der Platz nur für einen Baum reicht, empfehle ich eine mehrstämmige Pflanze zu kaufen, deren Wuchsform meist wesentlich romantischer ist.