Es ist definitiv noch zu früh, den Garten für den kommenden Herbst vorzubereiten. Schneiden Sie bitte um Gottes Willen noch nichts runter, außer vielleicht verblühte Ritterspornstängel. Alles was nicht völlig kollabiert ist, bleibt stehen. Dies ist vielleicht nicht die blütenprächtigste Jahreszeit, aber das ist noch lange kein Grund, sich mit Heide und Chrysanthemen zufrieden zu geben. Darüber schrieb ich bereits, aber man kann es nicht oft genug wiederholen, denn wer jetzt keine Blüten mehr in seinem Garten vorfindet, hat definitiv etwas falsch gemacht.

Bei mir blühen gerade die vor dem Urlaub zurückgeschnittene Katzenminze und der Frauenmantel zum zweiten Mal und die Fetthennen entfalten gerade erst ihren Spätsommerzauber. Darüber hinaus gibt es viele Pflanzen, die erst noch aufblühen werden. Und bitte noch nicht von Herbst sprechen, denn erstens fängt der offiziell erst am 22. September an und zweitens hat sich dieses Jahr auch das Frühjahr nicht pünktlich zum 23. März eingestellt. Für Heide und Chrysanthemen ist im Vorwinter Zeit, jetzt geht es erst einmal noch richtig ins spätsommerliche Blütenmeer.

Nur wenige Astern haben schon ihre Blüte voll entwickelt, wobei meine liebste Sorte, die hellblaue Aster „Monte Casino", bereits ihre Sterne öffnet und tatsächlich bis Dezember durchblühen kann. Auch Anemonen sind Stauden, die jetzt erst so richtig loslegen und Licht in schattige Ecken bringen. Sie sind übrigens recht eigenwillige Damen, weil sie auf gar keinen Fall einzeln stehen mögen. Man sollte also mindesten drei bis fünf von ihnen pflanzen, das scheint sie dazu anzuspornen, schnell anzuwachsen und schon nach ein bis zwei Jahren zu blühen.

Auch wenn ich gern alle möglichen neuen Staudensorten ausprobiere, muss ich zugeben, dass manchmal das Altbewährte das Beste ist. Die reinweiße, einfach blühende Anemone Honorine Jobert ist solch eine Dame; sie ist unschlagbar, winterhart, gesellig, ja geradezu gruppendynamisch und blüht im lichten Schatten gut zwei Monate lang. Einfach unverwüstlich.

Ich werde in diesem Jahr den Tipp eines englischen Freundes befolgen und an einer der sonnigeren Stellen des verwilderten Parkplatzes „Anemone tomentosa" pflanzen. Es soll eine sehr winterharte, zartrosa blühende Wildform aus China sein, die zwar nicht die hübscheste aller Anemonen ist, aber wesentlich schöner als Geißbart oder Brennnesseln. Ich werde über die Ergebnisse berichten.

Übrigens passt Rot jetzt ganz toll ins Gartenbild. Selbst wenn Sie vielleicht kein Rot mögen, sollten Sie es doch einmal mit den feinen Blütenrispen der unterschiedlichen Knöteriche probieren. Richtig hoch und voller Blüten sind Bistorta amplexicaris „Album“ oder „Firedance“ und keine Sorge, sie haben nichts mit dem fiesen asiatischen Knöterich zu tun, es handelt sich um entfernte, sehr harmlose, horstbildende Verwandte. Übrigens sollten Farbensnobs, also Menschen, die bestimmte Farben im Garten nicht mögen, endlich lernen, dass diese nicht zu jeder Jahreszeit vorkommen, sondern nur, wenn die Natur es so geplant hat.

Ein Garten ist eben doch kein Zimmer, in dem man sich für eine Farbe entscheiden muss, es kann zu jeder Jahreszeit anders blühen, das ist ja gerade das Wunderbare am Garten. Ein gutes Beet hat immer auch die Aufgabe, die Seele durch das Gartenjahr zu tragen und unsere Seele braucht manchmal auch Farben, die vielleicht auf den ersten Blick nicht so wirklich in unser Bild passen.

Der Herbst ist so ein Monat, in den für mich wieder viele Farben passen, die ich während des Sommers gar nicht sehen mag, etwa Rot oder auch Gelb. Es ist interessant, die Natur zu beobachten, denn sie produziert von sich aus keine Farben, die nicht zur Jahreszeit passen. Ich spreche natürlich von Wildpflanzen und nicht von gezüchteten Stauden, die wurden ja gedopt.