Entgegen den Aussagen einiger Ökologie–Experten passen sich viele einheimische Tiere einem neuen Nahrungsspektrum an. Keine Angst, dies wird keine Tierkolumne, ich möchte nur den ständigen Hiobsbotschaften aus den grünen Reihen etwas Beruhigendes entgegensetzen. Denn trotz des recht chaotischen Wetters und des schief hängenden Euro lassen sich zum Beispiel unsere einheimischen Vögel kaum beirren, wir sollten ihnen nur etwas mehr Aufmerksamkeit schenken und ihnen etwas besser durch den Winter helfen.
Ich durfte zum Beispiel in den vergangenen Tagen mit eigenen Augen beobachten, wie eine große Schar kleiner Spatzen sich ans Werk machte und an den Kastanien, Blatt für Blatt, die Miniermottenlarven entsorgte. Stundenlang beschäftigen sie sich mit der Ernte der Larven, was zum Ergebnis führt, dass viele Kastanienbäume in meiner Schöneberger Nachbarschaft Jahr für Jahr wieder besser aussehen. Warum die Spatzen so lange brauchten, um Geschmack an dieser ekligen, kleinen Made zu finden, kann ich Ihnen zwar nicht erklären, hörte aber, dass einige Gartenbesitzer das gleiche Phänomen beobachtet haben.
Ich halte es für sehr wichtig, Vögel in den Garten zu locken und sie dann dort auch zu halten. Das ist vor allem über den Winter wichtig, damit sie sich im Sommer über all die kleinen Biester hermachen. Dies erreicht man übrigens nicht nur durch den Erwerb von Unmengen an Sonnenblumenkernen und Meisenringen, sondern vor allem indem man viele Samen produzierende und Früchte tragende Gehölze und Stauden in den Garten pflanzt. Dabei gilt es bei Stauden, unbedingt den Putzfimmel abzulegen, der viele Gartenbesitzer im Herbst, oft sogar schon nach den Ferien, überfällt. Jetzt sollten nur Pflanzen herunter geschnitten werden, die nach den Ferien noch einmal blühen sollen; dazu gehören die von mir immer sehr angepriesene Katzenminze und der Frauenmantel, alles andere bitte stehen lassen. Wer sich jetzt vor den Ferien traut, diese Pflanzen gänzlich zu einem traurigen Stoppel zurückzuschneiden, wird staunen, was sich Mitte Juli wieder zeigt. Wichtig ist, die Pflanzen an den langen Tagen herunterzuschneiden, da sie sich dann noch ordentlich Mühe geben, ein neues Kleid zu produzieren. Wer zu lange wartet, wird nicht belohnt. Und nun zu den Pflanzen, die weder jetzt noch im Herbst zurückgeschnitten werden sollten, um den Vögeln als Nahrungsquelle zu dienen. Es sollten zum Beispiel viele Pflanzen aus der Familie der Korbblütler, den Astern und Sonnenblumen in jedem Garten stehen, da sie ein großartiger Samenlieferant für Vögel aller Art sind. Alles, was mit „Sonne“ anfängt, ist für unser Auge und die gesamte Fauna gut; Sonnenhut, Sonnenbraut, Sonnenschein und viele mehr haben die Fähigkeit, sowohl uns als auch die Bienen im Sommer anzuziehen.
Im Herbst bilden sie Samen, über die sich die Vögel freuen, und im Winter dienen die leer geknabberten Samenhülsen kleinen Insekten als Langzeithotel oder Jugendherberge. Auch das von Bienen und Insekten viel besuchte Brandkraut bietet im Winter sehr attraktive Samenstände, in denen Nützlinge gern den Winter verbringen. Mich erinnert besonders das attraktive Knollen-Brandkraut Phlomis tuberosa ‚Amazone’, eine deutsche Züchtung von Pagels, an das rotierende Hochrestaurant des Fernsehturms in Berlin oder Hamburg.
Wegschneiden ist out. Wir brauchen die kleinen Helfer im Garten, da sie den größeren als Nahrung dienen und letztendlich uns das Leben erleichtern. Ich habe übrigens eine nicht so gute Lösung für meine winterliche Wühlmausplage gefunden: Der Fuchs hat nach ihnen gegraben und im Zuge dessen gleich mal die gesamte Gestaltung der Rabatte ummodelliert. Fazit: Wühlmäuse weg – Garten neu gestaltet – ich arbeitslos! Es erledigt sich eben doch Vieles wie von selbst.


