Manchmal muss man eine Reise unternehmen, um alte Bekannte wieder zu treffen. So ist es mir in dieser Woche ergangen, in der ich mich auf der botanisch sehr kargen, trotzdem sehr beliebten Insel Sylt verstecken wollte. Ich habe hier nämlich einen in England sehr beliebten Kleinstrauch wiederentdeckt: Die Wintergrüne und vor allem Immergrüne Ölweide (Eleagnus x ebbingei). Sie entstand bereits 1928 und ist eine Kreuzung aus der dornigen Ölweide E.pungens und der großblättrigen Ölweide E. macrophylla.
Ich war davon ausgegangen, dass diese in unseren Gefilden völlig ungeeignet sei. Das ich sie hier auf den trockenen, winddurchpusteten Findlingsmauern wiederfinde, eröffnet mir neue Möglichkeiten. Die Ölweide ist ein sehr schöner Kleinstrauch, der etwa 1,2 bis 1,5 Meter hoch und breit wird und dessen Blätter auf der Oberseite dunkelgrün und auf der Unterseite silbrigweiß sind.
Umwerfend süßer Blütenduft
Besonders ist an diesem Strauch, dass er jetzt noch blüht. Seine Blüten sind zwar keine Sensation, verstecken sie sich sogar mehr oder weniger unter den Blättern. Aber der Duft der Blüten ist umwerfend süß, so dass er auch zur kalten Jahreszeit ein wertvoller Nektarlieferant für Insekten ist. Die Blüte beginnt im Herbst, hält sich durch die Kälte allerdings oft bis Ende Dezember, manchmal sogar bis ins Frühjahr.
Da in vielen Katalogen darauf hingewiesen wird, dass diese Ölweide nicht sehr winterhart ist, ist Vorsicht angesagt. Wenn ich aber sehe, dass dieser immergrüne Strauch die windigen und sehr kalten Winter auf Sylt überstanden hat, bin ich zuversichtlich. Ich werde sie jetzt mal in Innenhöfen als Hecken pflanzen, Innenhöfe sind auch in unserer kalten Stadt meist geschützt.
Toll ist, dass Sand sie nicht stört, ganz im Gegenteil. Die Ölweide scheint ihn zu lieben, und davon haben wir ja recht viel in Berlin. Sie soll bis -17 Grad ertragen. Na, ich werde das als Experiment mal wagen. In sonniger Lage ist sie nicht ganz so winterhart wie im lichten Schatten, was wiederum perfekt ist für die schattigen Berliner Hinterhöfe.
Sylter Rose nicht mit nach Sylt nehmen
Lehmböden oder ähnliches mag sie übrigens gar nicht. Dass sich diese Pflanze auf unseren Nordseeinseln so wohl fühlt, mag daran liegen, dass sie gerne in der Nähe von bodentechnisch gleichgesinnten Pflanzen wie Bergkiefer (Pinus mugo subs. Mugo) und der berühmten Sylter Rose wächst. Über dieses Phänomen der Sylter Rose (Rosa rugosa), die im Volksmund Apfel-oder Kartoffelrose heißt, hatte ich mich bereits letzten Sommer ausgelassen, weil wir auf der Hundsrose immer sitzengeblieben waren. Seit sie aber Sylter Rose heißt, ist sie ein meist ausverkaufter Dauerbrenner.
Übrigens sind die Sylter gar nicht so glücklich über die Einführung der Rosa rugosa auf der Insel, ist sie doch ein Fremdling aus Ostasien und wird deshalb auf Sylt auch als Kamtschatkarose bezeichnet; eine Wildrose, die 1845 nach Europa eingeführt wurde, die inzwischen ganze Landstriche bevölkert.
Da ihre Saat gut auf dem Sand/Torfgemisch der Insel aufgeht, verdrängt sie so peu a peu die einheimische Flora, vor allem die Heide, die der Wuchskraft der Rose nicht gewachsen ist. Heute wird versucht, diese Rose aus Arten- und Biotopschutz in Landschaften wie Dünen oder Küstenheiden auszumerzen, was aber wegen des hohen Regenerationspotenzials der Rose kaum möglich ist. Also bitte die Sylter Rose nicht mit nach Sylt nehmen.



![Kirschblättriger Schneeball (Viburnum prunifolium) [ Rechtehinweis: Verwendung weltweit, usage worldwide ] Kirschblättriger Schneeball (Viburnum prunifolium) [ Rechtehinweis: Verwendung weltweit, usage worldwide ]](https://img.sparknews.funkemedien.de/121467179/121467179_1423603421_v16_9_1200.jpeg)

