Wer sich im Winter gerne ab und an einen schmuckvollen Ast mit roten Beeren schneidet, ist in der Familie der Stechpalmen (Ilex) gut aufgehoben. Die meisten von Ihnen kennen vor allem die in Europa einheimische Gemeine Stechpalmenart (Ilex aquifolium), aus der über die letzten Jahrzehnte viele tolle – auch gerne panaschiert –, Sorten gezüchtet wurden. Ich bin ja sonst kein so großer Fan solcher Züchtungen, doch finde ich einige dieser Sorten ganz apart, zumal sie vor allem in der Winterzeit eine ganz besondere Leuchtkraft in düstere Gärten bringen.

Am unaufdringlichsten ist die schöne, weißrandige Sorte I. aquifolium „Argentea Marginata“. Wer es gerne gelblich leuchten mag, dem steht I. aqui‚ „Golden Van Tol“ zur Verfügung, aber auch eine andere Art, nämlich I. altaclerensis „Golden King“. Alle diese Sorten werden richtig große Kavenzmänner – wenn man nur geduldig ist. Nach 50 bis 100 Jahren können die schon eine Höhe von vier bis sechs Metern erreichen. Übrigens sind die meisten der Stechpalmen zweihäusig, das bedeutet, man benötigt eine männliche und eine weibliche Pflanze, um im Winter Beeren zu haben. Ungewöhnlicherweise gilt das aber nicht für alle, und so können Sie die gelben Sorten auch als Solitärpflanzen nehmen – sie tragen trotzdem Früchte.

Wer eine dichte Hecke möchte, sollte die dunkelgrüne, kleinblättrige Sorte I. aqui „Alaska“ probieren, die ist sehr frosthart, dichtwüchsig und extrem pieksig. Ziemlich neu auf dem Markt sind die I. meserveae Sorten, bei denen es sich um Kreuzungen zwischen der Europäischen Stechpalme I. aquifolium und der Japanischen Stechpalme I. rugosa handelt. Zwei besonders schöne und dunkelgrün leuchtende Sorten, die aus diesen Züchtungen entstanden, sind Ilex m. „Blue Angel’ und Ilex. m. „Blue Prince“. Dabei kann man sich gleich merken, dass der Blaue Engel die Früchte trägt, aber seinen Prinzen braucht, um welche zu haben. Zusammen als Hecke ist diese Kombination sehr attraktiv, und sie ist gleichzeitig ein guter Schutz vor Einbrechern.

Ebenfalls aus Japan stammt der sehr kleinwüchsige und kleinblättrige I. crenata, den wir an der Gartenakademie als Buxusersatz empfehlen. Allerdings stecken unsere Versuche noch in den Kinderschuhen, denn wir testen seit drei Jahren vor allem die Winterhärte dieser Sträucher. Es gibt in Belgien und Holland momentan Züchter, die versuchen, einen Ilex zu kreieren, der dem Buxus möglichst gleicht, um dem Buxuspilz auszuweichen. Sehr gute Erfahrungen haben wir über die letzten schweren Winter mit den Sorten I. crenata „Glorie Gem“ und dem ganz kleinblättrigen I.c. „Rotundifolia“ gemacht. Die haben wir sogar in Balkon- und Terrassentrögen durch die letzten Winter bekommen. Ganz wichtig ist auch bei ihnen das Wässern, wenn es wärmer wird im Februar und März, selbst wenn es danach noch einmal anzieht. Ich stelle immer wieder fest, dass es nicht die Kälte, sondern die Trockenheit ist, die den Pflanzen an den Kragen geht.

Übrigens sind die kleinblättrigen japanischen Sorten im Gegensatz zu ihren europäischen Artgenossen weder pieksig noch mit Früchten behaftet. Eigentlich sind es völlig artfremde Pflanzen dieser Gattung. Bleibt noch die Nordamerikanische Art der Stechpalmen zu erwähnen, die leider immer nur zu dieser Jahreszeit Aufmerksamkeit bekommt: der Rote Winter-Ilex (I. verticillata). Der ist Ihnen mit absoluter Sicherheit schon in den letzten Wochen aufgefallen. Denn der Strauch besteht jetzt nur aus knallroten Beeren und ist gänzlich ohne Blätter. Ich möchte Ihnen diese Äste aber auch als Gartenstrauch ans Herz legen, denn seine Blüten sind bereits im Juli oder August betörend, und jetzt leuchtet er tagsüber den ganzen Garten aus. Klasse auch für kleine Gärten, da er nicht höher als zwei bis drei Meter wird. Und da man jedes Jahr davon etwas für die Vase abschneidet, ist die Gefahr, dass er zu groß wird, gering.

Ich wünsche einen schönen zweiten Advent.