Das Wort „wurzelnackt“ war früher ein Allerweltsbegriff, heute könnte es gut und gerne eine Joker-Frage bei „Wer wird Millionär?“ sein. Denn früher wurden Rosen, Kleinsträucher und vor allem Hecken fast ausschließlich als wurzelnackte Ware gepflanzt.
In den, wie man sagt, guten alten Zeiten, hielt man sich noch an die Pflanzzeiten, und die richteten sich nun mal nach den Jahreszeiten. Haben die Pflanzen keine Blätter, ist die Zeit zum Pflanzen und Verpflanzen gut. Haben sie Blätter, sollte man es möglichst vermeiden, Gehölze aus dem Boden zu nehmen.
Diese Regeln beherzigt heute kaum noch jemand. Vor allem durch das riesige Angebot der Containerpflanzen glaubt man, der Natur ein Schnäppchen schlagen zu können und pflanzt das ganze Jahr hindurch.
Es ist zwar möglich, verbessert aber nicht gerade die Vitalität der Gehölze. Denn eine Pflanze, die im Sommer aus ihrer gewohnten Umgebung, dem Topf, heraus genommen und in ein warmes Pflanzloch gesteckt wird, womöglich auch noch ohne Zusatzerde, hat wesentlich geringere Chancen als ein richtig gepflanztes Gehölz.
Da es nicht in der Natur der Dinge liegt, dass eine Pflanze Spaß daran hat, mehrfach aus- und eingegraben zu werden, kann man sich vorstellen, dass die Pflanze diese Tortur eher akzeptiert, wenn sie nicht in der Vegetation ist. Da Bäume und Sträucher im Winter kein Wasser und keine Nahrung ziehen müssen, um ihre Blätter mit lebenswichtigen Stoffen zur Fotosynthese zu versorgen, verkraften sie Verpflanzungen am besten im Winter.
Wurzelnackt heißt, den Wurzeln haftet keine Erde an
Jetzt ist also die ideale Zeit, eine falsch gepflanzte Pflanze umzusetzen oder einen neuen Baum oder Strauch zu pflanzen. Dann hat die Pflanze eine Chance, im Boden „anzukommen“. Durch die Wintermonate und die Schneeschmelze setzt sich die Bodenkrume, und die Erde nutzt die Zeit, sich an die Wurzeln anzuschmiegen. Bis zum Frühjahr sitzt dann die Pflanze fest im Sattel und kann gleich beim Aufbrechen der ersten Knospen die lebensnotwendigen Stoffe für die Blätter aus der Umgebung ziehen. Erst im Frühjahr zu pflanzen, ist zwar nicht optimal, geht aber noch in Ordnung.
Wer vorhat, eine lange Hecke zu pflanzen, sollte sich gut überlegen ob er/sie das nicht mit wurzelnackten Pflanzen machen möchte. Die kosten nämlich nicht nur etwa ein Zehntel der Containerpflanzen, sondern genießen regelrecht eine Herbstpflanzung und holen häufig größer gepflanzte Hecken ein.
Wurzelnackt heißt, den Wurzeln haftet kein Ballen, also keine Erde mehr an. Daher sind sie nicht nur leichter zu transportieren, sondern auch einfacher zu pflanzen. Wichtig ist, sowohl die Wurzeln als auch die Triebe stark einzukürzen. Die Wurzeln sollten etwa um ein bis zwei Drittel eingekürzt werden, die Triebe nur ein Drittel. Die Pflanzen unbedingt feucht halten, sie dürfen nicht austrocknen.
Ich pflanze auch gerne Eibenhecken als wurzelnackt, so können auch ganz normale Menschen wie Sie und ich sich solch eine Hecke leisten. Eibe gibt es bis zu einer Größe von 40 bis 50 Zentimetern als wurzelnackt. Danach empfiehlt sich immer, Ballenware zu kaufen. Bei Blattpflanzen wie Rotbuchen, Hainbuchen, Liguster, Kornellkirschen oder Hartriegelhecken gibt es auch wurzelnackte Pflanzen, die bereits 60 bis 80 Zentimeter hoch sind.
Das Tolle ist, man kann bei dieser Pflanzenware die Heckenpflanzen schön eng stellen. Das ist bei Ballenware häufig nicht der Fall. Dafür sind meistens die Ballen zu groß, sodass die Hecke oft nicht so dicht wird. Wichtig ist in den ersten Jahren, dass die Hecke unbedingt nur an den zwei Längsseiten geschnitten wird und nicht oben an der Spitze. Das widerspricht zwar vielleicht den ästhetischen Ansprüchen der Nachbarn, ist aber der allerbeste Weg, schnell eine dichte Hecke zu bekommen.


![Kirschblättriger Schneeball (Viburnum prunifolium) [ Rechtehinweis: Verwendung weltweit, usage worldwide ] Kirschblättriger Schneeball (Viburnum prunifolium) [ Rechtehinweis: Verwendung weltweit, usage worldwide ]](https://img.sparknews.funkemedien.de/121467179/121467179_1423603421_v16_9_1200.jpeg)


