Tulpen, Narzissen, Hyazinthen, Krokusse, Scilla, Anemonen, Winterlinge, Hundszahn – und wie sie alle heißen – haben aus der Sicht des Käufers eine ganz niederträchtige und für sich selbst geschäftsschädigende Eigenschaft: Man sieht ihnen beim Kauf im Winter ihre Frühlingspracht nicht an. Während der Laie die Knollen vieler Tulpen, Narzissen und Krokusse noch ganz apart findet, hört das Verständnis bei vielen Gartenbesitzern spätestens beim Anblick der Anemonenknolle auf.

Zugegeben, gerade diese kleine, schwarzbraune Knolle lässt wenig Raum für Fantasien, sie sieht einfach aus wie ein Hasenköttel. Was aber im Frühjahr aus dem Köttel erstaunlicherweise emporwächst, ist eines der kleinen Wunder der Natur. Wer also ausschließlich nach dem äußeren Erscheinungsbild im Herbst auswählt, beraubt sich gerade bei Knollen und Rhizomen einer ganz besonderen Pracht.

Man sollte die kleinen, braunschwarzen Knollen der Anemonen vor dem Pflanzen wenigsten vier bis sechs Stunden in Wasser quellen lassen, das verändert zwar ihr Erscheinungsbild nicht, gewährleistet aber ein wesentlich besseres Anwachsen. Das Gleiche gilt für den Winterling (Eranthis), dessen Knolle von ähnlich galanter Gestalt ist, auch sie profitiert vom Vorquellen, da sie in den Sommermonaten sehr austrocknet. Gibt es dann im Winter oder Frühjahr nicht genügend Schnee oder Regen, kann die kleine trockene Knolle nicht ausreichend Wasser ziehen, um eine Blüte zu produzieren, und stirbt.

Handschaufel zum Einpflanzen der Blumenzwiebeln

Weitere bezaubernde Knollen gehören zur Familie der Schachbrettblumen, den Fritellarien. Da gibt es kleine, unscheinbare, knubbelige Zwiebeln und große, recht streng duftende Knubbel in Tennisballgröße wie zum Beispiel die Kaiserkrone. Hinreißend, was aus diesen hässlichen Entlein wird und was sie alles auszuhalten vermögen.

Der unangenehme Geruch der Kaiserkronen (Fritillaria imperialis) verschwindet übrigens, wenn man sie tief genug in die Erde setzt, und vertreibt unterirdisch Wühlmäuse und Maulwürfe. Tief bedeutet bei eigentlich allen Zwiebeln drei Mal so tief, wie die Zwiebel groß ist. Wenn also die Kaiserkrone einen Durchmesser von zehn Zentimetern hat, sollte die Zwiebel 25 bis 30 Zentimeter unter die Erde.

Ein sogenannter Zwiebelpflanzer reicht hierfür nicht aus, da muss eine Handschaufel her. Wer seine Zwiebeln zu flach pflanzt, riskiert zu frühen Austrieb an lauen Wintertagen, sodass die Pflanzen den darauf folgenden starken Frösten zum Opfer fallen. Daher sollten vor allem große Zwiebeln wie Tulpen, Hyazinthen, Narzissen oder Kaiserkronen lieber ein wenig tiefer als zu flach gepflanzt werden. Das Schlimmste, was dann passieren könnte, wäre eine verspätete Blüte.

Rhizom der Steppenkerze mit Laub abdecken

Sollten Sie vorhaben, in den nächsten Tagen noch einen neuen Rasen legen zu lassen, vergessen Sie bitte nicht, unter den Rollrasen ein paar Hundert oder Tausend kleine „Hasenköttel“ oder Krokusse zu werfen. Sie werden das Ergebnis nie bereuen. Und noch ein ungewöhnliches hässliches Entlein möchte ich Ihnen ans Herz legen: die Steppenkerze (Eremurus).

Sie fällt zwar nicht unter den Begriff Zwiebel, wird aber jetzt wurzelnackt als Rhizom verkauft und gepflanzt. Ihr Aussehen ist so skurril, dass man das Gebilde unbedingt gesehen haben muss. Es handelt sich eigentlich um eine riesige, dickbeinige Spinne, deren zentral liegender Körper das Zentrum der Pflanze ausmacht. Aus diesem Zentrum erhebt sich im Mai des darauf folgenden Jahres eine schier nimmer endende Lanze, die dann irgendwann in der Höhe von 160 Zentimetern einen 60 Zentimeter langen blühenden Schweif ausbildet. Einfach einzigartig.

Wichtig beim Pflanzen ist, die Spinnenbeine unter die Erde zu bringen und die Spitze des Zentrums ein wenig aus dem Boden herausschauen zu lassen. Am besten mit etwas Laub abdecken; probieren Sie einmal eine aus.